Zeitreise beginnt vor 10.000 Jahren - Unterwasserreich Schrems

An der Kassa ist eine kleine Schlange. Nein, kein echtes Reptil. Also keine, vor der ich Angst hätte, obwohl man weiß ja nie, welche Tiere sich hier im Waldviertel am Rande des Schremser Hochmoores, mitten im Naturpark Schrems tummeln.

Die Schlangenmitglieder bestehen aus Fleisch und Blut und haben je zwei Beine. Es dauert, da zwei Damen gerade überlegen, welche Bonuskarte sie zücken, um eine Ermäßigung auf den Eintritt zu ergattern. Zum Schluss fällt ihnen doch noch ein, sie haben ja eine Niederösterreich-Card.

Ich rutsche etwas genervt weiter nach vorne, während meine Augen die regionalen Produkte und die Souvenirartikel, wie die süßen Stofffischotter im Shop fest im Blick haben. Als Frau übersieht man Einkaufsmöglichkeiten so gut wie nie.

„Eine Wels-Leberkäse-Semmel und Karpfenwürstel bitte!“, höre ich ein paar Menschen vor mir. Achso, was es alles gibt. Fisch geht immer. In meiner Kindheit gab es in der Großstadt zu Weihnachten immer den berühmten Waldviertler Karpfen. Damals noch lebend, aus dem Bottich auf der Straße gekauft. Nur kurz zog der Verkäufer dem Tier einen über den Kopf, ehe er im Plastiksackerl nach Hause transportiert wurde um dort zur Freude uns Kinder bis zu den Feiertagen in der Badewanne seine letzten Runden zu schwimmen.

Aber Wels als Leberkäse ist mir neu. Muss ich später selbst testen. Ich blättere in der Speisekarte, hier gibt es noch andere Köstlichkeiten.

„Eine Person?“, die nette Dame an der Kassa lächelt mich trotz des vorangegangen Stress an. Sie hat die Ruhe weg.

„Nein, eigentlich habe ich einen Termin bei Frau Mader!“

Nach einem ausführlichen Gespräch begleitet mich Frau Barbara, ihres Zeichens Dipl. Erwachsenen-bildnerin, Kuratorin und Naturvermittlerin durch die Räumlichkeiten des Unterwasserreichs. Ich finde Naturliebhaberin würde viel besser passen. Ihre Begeisterung für ihre Heimat, die Teiche und Landschaft steckt mich an. Bei Schulgruppen wird kaum ein Kind ihren Ausführungen nicht mit Spannung lauschen können.

Ihr Sohn Elias hat das Gemüt der Mutter und steckt voller Energie und kindlichem Übermut. Dennoch sehe ich ihn später verantwortungsvoll einen Besucher mit Baby durch das angrenzende Moorgebiet führen. Toller Junge.

„Das ist ein Sackrädertierchen“, Frau Barbara zeigt stolz auf eine für mich undefinierbare Gestalt in der Mikroskop-Liveshow. Täglich wird eine Probe der Gewässer entnommen und auf einer überdimensionalen Leinwand den Besuchern präsentiert. Was sie da noch so alles sieht! In Wirklichkeit ist Plankton nur ein paar Millimeter groß und schwimmt an der Wasseroberfläche. Dort findet sie der Karpfen, der freundlicherweise zu den Friedfischen gehört als Nahrung. Alleine im Waldviertel gibt es rd. 1.800 kleine und große Teiche. Ich höre zum ersten Mal, dass ein Teich künstlich angelegt ist und über Verlandungszonen verfügt, die im Wasserpark veranschaulicht werden. Meine Aufmerksamkeit gehört den vielen einheimischen Fischen. Interessant wie ein Zander aussieht. Ich kenne ihn nur, meist paniert, aber vor allem zerstückelt auf meinem Teller.

Libellen schwirren durch die Luft. Zerbrechliche Schönheiten, die in der Sonne wie Goldstücke glänzen.

Für Märchenliebhaber stellt sich nun die Frage, küssen oder nicht?

Kinder können spannende Abenteuer in einem kleinen Paradies und erleben.

Interessante Tiere entdecken…

Kleine Wasserlebewesen mit Lupe und Mikroskop erforschen. Sie lernen bisher unbekannte Lebewesen aus dem Teich kennen und erforschen den Wasserkreislauf.

Geführte Touren, Workshops oder Geburtstagsparty? Nicht nur für Kinder ein beeindruckendes Erlebnis. Ein Berührungspunkt mit einer bis dato unbekannten und unbeachteten Welt.

Vor meinem geistigen Auge liegt ein Karpfen, schön in Waldviertler Mohnpanier, serviert mit Erdäpfel-Vogerlsalat bei meinem Lieblingsgasthaus Renate Krupik in Steinbach am Teller. Vielleicht schaue ich nachher vorbei, ist nur einen Steinwurf von hier entfernt.

„Karpfen werden von Raubfischen gerne gefressen, so geht die Nahrungspyramide weiter. Und ganz oben steht der Fischotter“, Frau Barbara holt mich aus meinen Gedanken wieder in die Ausstellung zurück.

Essen im Bett bekommt eine neue Bedeutung und ich bin schockiert. Ehrlich? Nein, wirklich, habt ihr euch schon mal Gedanken über unser Essen am Teller gemacht. Nein, nicht was wir essen, sondern welche Geschichte zu den Gerichten, egal ob Tier oder Pflanze, gehört.

Fischotter haben ein tolles Leben, essen und schlafen. Dazwischen ein wenig spielen und schwimmen. Sowie auch Laszlo und Luca, die beiden Fischotter im Unterwasserreich. Einst vor dem Tod gerettet und von Hand aufgezogen, werden sie täglich dreimal vor den Besuchern gefüttert. Kinderstube werden die beiden in ihrem Otterbau, dessen Innenleben in der Ausstellung detailgetreu gezeigt wird, keine anlegen müssen. Wenn Otter in Gemeinschaft aufwachsen, fühlen sie sich wie Geschwister und nicht wie ein Liebespaar. Wenn ich nicht so schwerfällig und ungeschickt wäre, könnte ich wie meine kleinen Fotopartner durch den Bau klettern. Ich will aber nicht der Feuerwehr eine Arbeit machen, wenn ich stecken bleibe.

Die Fütterungen sind bei Kindern genauso beliebt wie bei Erwachsenen.

Laszlo und Luca haben mir etwas voraus. Zuerst betteln, dann fressen…

… und dann kommt der Unterschied zu mir. Die Lösung gibt es dann bei der Fütterung zu sehen.

Ich habe leider keine Zeit zur Erklärung, denn Frau Barbara entführt mich in die Welt der Pflanzen und wir suchen den Sonnentau. Eine unscheinbare, aber wunderschöne fleischfressende Pflanze.

Ebenso interessant ist der Schachtelhalmröhricht, der auch als Zinnkraut bekannt ist. Über seine einstige Verwendung erzählt Frau Barbara genauso gerne wie über das Wollgras.

In der Ausstellung seht ihr ein Vorbild der Natur, das für Horrorfilme, wie z.B. Men in Black verwendet wird.

Die Kinder haben ihren Spaß…

… für uns Erwachsene stehen gemütliche Liegestühle zum Seele-baumeln zur Verfügung. Einfach in der Natur sitzen, das Gelernte aus der Ausstellung verarbeiten und den Stimmen der Natur lauschen. Derzeit quaken die Frösche um die Wette.

Wäre ich in der Nähe zuhause, würde ich mir eine Jahreskarte zulegen, denn einfach hier sitzen und nichts tun entspannt ungemein. Richtig chillig.

Das Café mit Terrasse und Spielplatz sind während den Öffnungszeiten kostenlos begehbar. Die Preise sind sehr moderat und die herrlichen Natursäfte ein Traum. Für Bierliebhaber gibt es das regionale Schremser Bier. Nicht zu vergessen, der Wels-Leberkäse, der mittlerweile auch mich begeistert hat. Zum Schluss natürlich ein Stück Waldviertler Mohntorte und Frau Renate ist schon wieder glücklich. Manchmal ist ein Blogger-Leben richtig entspannend.

Ausflüge in das angrenzende Schremser Hochmoor, hier beginnt die Zeitreise vor mehr als 10.000 Jahren, mit Moortreten unter Anleitung werden ebenso angeboten, wie ein Besteigen der Himmelsleiter. Schafft ihr die Wolken zu berühren? Vom Prügelsteg aus wird Ausschau nach der Tier- und Pflanzenwelt eines typischen Moores gehalten. Drei Wanderwege in unterschiedlichen Längen führen rund um das Unterwasserreich.

Erwachsene werden in die Mythen der Moorleiche und Irrlichter eingeweiht.

Festes Schuhwerk, Regenschutz, ev. Rucksack mit Getränk, Kamera und wetterfeste Kleidung sollte auf die Wanderung mitgenommen werden. Das gesamte Unterwasserreich ist barrierefrei und ein Behinderten-WC steht, genauso wie genügend Busparkplätze, zur Verfügung.

Langeweile ist ein Fremdwort, denn es gibt laufend Neues und Spannendes zu entdecken. Wer mit seinen Lieben zuhause Kontakt halten möchte, kann dies über das freie WIFI in den Pausen gerne tun.

Für Projektwochen ist das Waldviertel eine ideale Location, in der Nähe gibt es das Feriendorf Loimanns und das Hoteldorf Königsleiten in Litschau. Für Romantiker empfiehlt sich ein Aufenthalt in der Baumhauselodge. Wer gerne über die Grenzen schaut, ist im Partner-Hotel Hotel Perslak herzlich willkommen.

Kinder-Sommerprogramme (Infos auf der Homepage) bieten spannende Abwechslung in den Ferien. Sonderausstellungen begeistern Besucher – derzeit gibt es traumhafte Tierfotos! Wirklich einen Besuch wert!

Für Erwachsenen-Gruppen gibt es entweder Tagesprogramm im und um das Unterwasserreich, oder Halbtagesprogramme. Für einen tollen Tagesausflug bietet sich eine Kombination mit einem Besuch der Waldglashütte Zalto, der Waldrapp-Voliere, Schloss Greillenstein, Schloss Rosenburg, der ältesten Frottierwarenerzeugung Wirtex und vieles mehr. Viele Ideen finden sich bei der individuellen Gruppenreise vorbei. Langeweile kommt im Waldviertel sicher nicht auf.

Ich sage Danke den netten Damen, Frau Christiane und Frau Barbara, sage Tschüss meinen Fotostars Elias, Roman, Sandra und Emely und halte es wie der Fischotter – ich tauche mal kurz unter. Denn neben dem Unterwassereich befindet sich das Moorbad Schrems, wo sich jeder bei freiem Eintritt nach Lust und Laune entspannen kann. Den Rest müsst ihr bei einem persönlichen Besuch selbst erkunden, denn ich bin ja keine Tratschgans, die alles verrät. Aber das wisst ihr ja schon …

 

 

Interessenten aus dem In- und Ausland wenden sich direkt an das Team des Unterwasserreichs, Frau Christiane Mader, info@unterwasserreich.at, www.unterwasserreich.at, 02853/76334, Moorbadstraße 4, 3943  Schrems

Bus-parkplatz Einkaufs-möglichkeit Stufen barrierefrei Behinderten-WC Gastronomie Hunde Veranstaltungen Fremdsprachen Voucher Nö-Card
ja Souvenirladen nein ja ja ja im Naturpark mit Leine ja lt. Homepage engl, tschech. ja ja

 

 

Ideen zur Tagesgestaltung findet ihr bei unserer individuellen Gruppenreise

 

Zur Planung Ihrer Gruppenreise steht Ihnen auch gerne CÄSAR Bus- und Personenbeförderungs Gmbh zur Verfügung, office@bustiger.eu, www.bustiger.eu

 

Besuch von lichtkroko, Dienstag, 23.05.2017. Mit freundlicher Fotogenehmigung von allen Beteiligten. In diesem Sinne auch Danke an alle Kinder der Mitarbeiterinnen vom Unterwasserreich, die sich für die Fotos zur Verfügung gestellt haben. Text: Renate Stigler, Fotos: lichtkroko, www.lichtkroko.eu

 

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