Tierische Freuden - Sonderzugfahrt nach Gut Aiderbichl

Mir ist saukalt. Ich bin noch nicht munter und habe das dumpfe Gefühl, als würden meine Füße am Boden anfrieren. Der eisige Wind weht nicht nur um die Nase, sondern dringt durch jedes Stückerl Stoff und lässt meinen Körper zu einem einzigen Eisklumpen frieren.

Im Gegenteil zu sonst, bin ich wortkarg und schlecht gelaunt. Und wenn ich in die Runde meiner Fahrgäste blicke, bin ich nicht alleine. Kein Wunder, es ist wirklich frühmorgens, stockfinster und wir stehen wieder einmal am Bahnsteig und warten auf den Sonderzug nach Gut Aiderbichl.

Nach den letzten blog-Berichten über die Sonderzugfahrten haben sich viele Interessenten gemeldet und so stehe ich schon wieder mal in Floridsdorf und warte auf einen Zug anstatt einen Bus.

Erinnert ihr Euch an den kleinen Fotokampf im blog vom Sonderzug nach Admont? Wenn nicht, rasch nachlesen.

Auch der besagte Herr ist wieder dabei und hält die Kamera in die schwarze Eisluft, während die Ansage, „Zug fährt ein“ über den Lautsprecher erklingt. Doch diesmal hat er auch keine Chance. Mensch, es ist wirklich stockfinster! Ich bin nicht sicher, ob er überhaupt abgedrückt hat, oder nur an der Kamera festgefroren ist, auf alle Fälle lächelt er etwas eisig.

Ja, ist schon gut, ich habe mich wieder breitschlagen lassen. Alle meine treuen Leser und Freunde wissen, ich und Zug ist wie Hund und Katze. Ich bin und bleibe halt ein Bus-Fräulein.

Diesmal füllen wir fast das ganze Abteil. Und der Tag startet mit einer Runde Sekt. Na, da steigt doch die Stimmung gleich wieder. Tja, die Zugfahrten werden immer beliebter – da heißt es rasch buchen. Übrigens die neuen Zugfahrten 2017 findet ihr in diesem Bericht etwas später.

Warum dann doch wieder Zug 2017 werdet ihr, mich als Bus-Fräulein, fragen?

Naja, bei dieser Sonderzugfahrt hat uns dann nach einigen Stunden Zug ein Bus erwartet. Sozusagen, ein kleiner Lichtblick am Horizont! Ein kleiner Strohhalm zwischen Gleisen und Bahnhöfen. Und ich fühle mich gebauchpinselt. Da kann ich doch für das neue Jahr nicht nein zu weiteren Zugfahrten sagen!

 

Eine Zeitlang habe ich Dummerchen mir doch glatt eingebildet, den Bus haben die extra für mich in diese Sonderzugfahrt eingebaut. Mit stolzgeschwellter Brust steige ich ein und lasse mich in den bequemen Sitz fallen. Ich atme tief durch. Busluft!

Gut, der Spaß ist wenige Minuten später vorbei. Wir sind bei unserem Gasthof angekommen. Diesmal gibt es noch eine gemeinsame Mittagspause, ehe es zu unserem eigentlichen Ziel, dem Gut Aiderbichl geht.

Ob das auch wirklich stimmt?

Wir sollten nicht enttäuscht werden. Super leckeres Essen, freundliche Bedienung und ein ganz besonders Ambiente.

Auch ein Blick  auf die verschneiten Salzburger Berge darf nicht fehlen…

Fünf Personen haben wir gebraucht, bis wir die „Drei-Salzburger-Nockerl-Spitzen“ abgetragen hatten.

Glaubt mir, es war wirklich Schwerarbeit. Aber so köstlich! Salzburger Nockerl gehören wirklich einfach zu Salzburg wie ein Wiener Schnitzel zu Wien.

Mit vollem Bauch besteigen wir wieder den Bus und es geht zu Gut Aiderbichl. Übrigens der Name stammt aus dem Keltischen, „Ayd“ bedeutet „Feuer“, „Bichl“ ist althochdeutsch und ein Begriff für „Hügel“.

Gut Aiderbichl, im Jahre 2000 ins Leben gerufen, ist ein ganz besonderer Platz für Tiere. Es soll einerseits elegant wirken, andererseits aber die Demut vor der Schöpfung ausdrücken. Aber eigentlich ist es einfach nur ein wahres Paradies für arme, gequälte und misshandelte Tiere. Eine super Idee und wie man sieht über die Jahre auch ein toller Erfolg.

Bei sovielen Tieren, auch unterschiedlichster Rassen, und vorallem unterschiedlichster Geschichten ist es schon ganz wichtig, dass jemand ein strenges Auge auf die Ordnung hat.

Andere üben sich als Begrüßungskomitee für die ankommenden Gäste…

Kaum zu glauben, dass die meisten Tiere einmal von Menschen misshandelt wurden. Eine Menge Liebe und Vertrauen muss wohl die Grundlage zwischen Tier und Bezugsperson auf Gut Aiderbichl gewesen sein, sonst würde doch die Chemie Mensch-Tier nicht mehr passen.

Neugierig wirken sie auf uns. Zutraulich und freundlich. Wissensdurstig und unbekümmert.

Hier steckt viel Arbeit in Gut Aiderbichl, und nicht nur tägliche Arbeit der Säuberung und des Fütterns. Nein, psychologische Arbeit. Gestrandeten und misshandelten Tieren wieder ein neues Leben zu ermöglichen, das Vertrauen zu den Menschen wieder gerade zu biegen.

Apropos biegen. Hihi, wir bekommen gerade Besuch! Hinter der Punschhütte sind, in einem abgesperrten Bereich, ein paar Holzfässer, die als Tische dienen. Und ein neugieriger Gast schaut mal kurz vorbei, ob denn nicht unter Umständen etwas von den Köstlichkeiten vom Adventmarkt abfällt. Könnte ja sein. Man schaut ja nur so.

Viele Tiere dürfen sich auf diesem riesigen Areal frei bewegen und leben mit den Menschen, die hier flanieren. Bei fast jedem Tier am Stall steht sein Name und seine Geschichte. Ehrlich? Taschentücher werden hier oft nicht nur wegen der verstopften Nase gezückt. Zu furchtbar ist oft das Geschriebene für uns zu verstehen.

Dennoch, hier geht es den Tieren gut, hier dürfen sie ihr Leben wieder genießen und auch für jede Menge Blödheiten zuständig sein.

Da werden doch mal Witze erzählt,…

 

 

 Menschen zum Lachen gebracht…

 

 

Oder einfach nur die romantische Ader beim Sonnenuntergang hervorgeholt.

Es gibt noch viele, viele Tiere. Mitnehmen könnt ihr sie nicht, aber eine Patenschaft übernehmen. Eine gute und sinnvolle Idee. Oder ihr besucht Gut Aiderbichl. Empfehlenswert zum Oster- oder Weihnachtsmarkt. Busse und Programme erstellen wir gerne für Euch!

Nun versteckt sich die Sonne hinter den Bergen und auch der Blick auf die Uhr mahnt uns zum Bus zu kommen. Eine kurze Strecke und wir stehen wieder am  Bahnhof. Und aus der Ferne hören wir schon das bekannte Tuten. Oder was machen die Züge? Ach, keine Ahnung. Wir bei den Bussen hatten seinerzeit die Überlandhupen, wo wir gleich alles davon gescheucht haben. Und dann kam die EU mit Ihren Vorschriften… Aber das ist eine andere Geschichte.

Da ist er ja wieder! Mensch, wie ich mich freue…

Na, dann mal einsteigen und Zug ab! Die letzte Fahrt für 2016 beginnt und Hans teilt die letzten Vanillekipferl aus. Ich werde mir gleich mal wieder einen Vorrat anlegen. Bis Wien ist es weit…

Und auch die letzten Sektflaschen ploppen auf… Die Stimmung steigt, während wir uns Wien nähern.

Doch schon bald geht es 2017 wieder los – wer jetzt Lust hat, diese tollen Fahrten live mitzuerleben, schaut rasch vorbei und sichert sich gleich sein Plätzchen. Denn wie gesagt, wir werden immer eine größere Zugpartie und nicht dass es dann heißt: „Der Zug ist voll“ und ich muss vielleicht zuhause bleiben ;-)

Infos über die Zugreisen hier

 

Für Gruppen aus dem In- und Ausland kann jederzeit auch gerne ein Sonderzug ab Wien nach Ernstbrunn und retour mit Ausflugsprogramm vor Ort organisiert werden. Gerne stehen wir mit Rat und Tat zur Verfügung. www.bustiger.eu

 

Besuch von lichtkroko, 17.12.2016

Text: Renate Stigler, Fotos: lichtkroko, www.lichtkroko.eu

Mit freundlicher Fotogenehmigung von Gut Aiderbichl

Infos für Gruppenfahrten: CÄSAR Bus- und Personenbeförderungs Gmbh, www.bustiger.eu

 

Wir danken der immer wieder hervorragenden Zusammenarbeit mit der regiobahn, unter Herrn Hans Narrenhofer.