Mein erster Blog - Vernunft siegt zum Schluss

„Früher lag da einfach ein dünnes, liniertes Schulheft und eine mit meinem Namen versehene, in knalligen rot gehaltene, Füllfeder vor mir. Und dann schossen die Gedanken über meine rechte Hand, durch die Feder aufs Papier. Aber das ist doch schon lange her!“, versuche ich mich rauszureden.

Papperlapp, Du stellt immer Dein Licht unter dem Scheffel!“, mein innerer Schweinehund sitzt mit verschränkten Armen vor mir auf dem Tisch und starrt mich mit seinen Kulleraugen eindringlich an.

„Du bist einfach nur zu feig, meine Dame!“, er rümpft die Nase, „schon in Kindestagen war Schreiben Dein Hobby, erinnerst Du Dich?“

 

 „Ja, aber“, ich suche nach Worten, „damals war auch die Zeit ganz anders“, versuche ich einen Ausweg zu finden.

„So, so!“, sein Daumen zeichnet Drohgebärden in die Luft, „die Zeit war anders. Das einzige wahre ist, Du warst damals jünger und hast nicht solange nachgedacht. Einfach drauf los, was kostet die Welt. Und heute? Uje, tausend Jahre nachdenken. Mein Mädel“, seine dunkelbraunen, ja fast schon tiefschwarzen Augen durchbohren mich, „mein Mädel, denkst Du auch mal dran, Du wirst auch älter. Die Zeit läuft auch Dir davon. Aber bitte, wenn Du nicht willst, dann versauere einfach in Deinem Kämmerchen. Aber Du weißt schon, was Du den ganzen Tag machst? Ha?“

Er wartet definitiv auf Antwort. Eine gescheite Antwort. Eine Antwort, die mich auf den rechten Weg führt und uns beide befriedigt. Ich krame in den tiefen meines Unterbewusstseins, was sollte ich jetzt sagen?

„Nur denken. Aber von denken alleine hat es noch niemand zu etwas gebracht“, er ergreift das Wort.

„Du denkst den ganzen Tag, soll ich einen Blog machen, oder nicht? Ja, wäre schon nett, nein, wäre nicht nett. Ja, wäre schon nett, nein, wäre nicht nett! Fräulein“, sein Zeigefinger durchbohrt mich regelrecht, während er ihn gegen meine Brust, dort wo mein Herz sein sollte oder eigentlich ist, streckt.

„Fräulein, Du hast doch das perfekte Blogger-Leben. Auf der einen Seite betreibst Du ein Busunternehmen, das schon seit Jahren und sehr erfolgreich. Da hast Du viele Möglichkeiten über Orte, Menschen, Land, Leute und Kultur zu schreiben. Auf der anderen Seite bist Du Berufsfotografin, daher kannst Du Deine Artikel gleich mit passenden Fotos untermauern. Und dann zum Schluss“, er grinst wie ein kleiner Schuljunge, der gerade einen Streich gegen seine Lehrerin ausheckt.

Und zum Schluss“, er holt tief Luft, „also zum Schluss“.

„Schreibe ich doch gerne“, entfährt es mir, ohne es eigentlich wirklich gewollt zu haben.

Zufrieden lehnt er sich zurück.

<span style="font-size:11.0pt;line-height:115%;font-family:" calibri","sans-serif";="" mso-hansi-theme-font:minor-latin;times="" new="" roman";="" mso-bidi-language:ar-sa"="">„Na, also zum Schluss wirst Du doch noch vernünftig.“