Märchenhafter Geier-Sturzflug - Renaissanceschloss Rosenburg

„Und Sie wollten wirklich nie Prinzessin werden?“, meine Busnachbarin kann es gar nicht fassen, „das ist doch DER Mädchentraum!“

Ich schüttle den Kopf, während wir uns dem Renaissanceschloss Rosenburg im Waldviertel nähern.

„Nein, Prinzessin wollte ich nie sein“

Die Dame neben mir kann es nicht lassen und versucht mir ein Gespräch aufzuzwingen.

„Aber junges Fräulein“, ihre Gichtfinger tätscheln mein Knie, „von einem Prinzen am weißen Pferd haben Sie schon geträumt! Sie können es ruhig zugeben, seien Sie nicht so schüchtern“

Ihr Lächeln gibt einen Blick auf unzählige Plomben frei und ich wäre jetzt froh gewesen, hätte mir jemand diesen Anblick auf nüchternen Magen erspart.

Der Bus schraubt sich die kurvige Straße bis zum riesigen Parkplatz empor. Kurz bleiben meine Augen am Erlebnispark Rosenburg, der sich ein paar Schritte vor dem Schloss befindet, hängen. Einmal so durch Bäume fliegen wie Tarzan, aufregende Kletterhöhen wie ein Eichhörnchen erkunden, oder sich fallen lassen wie ein…

Mich fröstelt, gerade ich als Angsthase habe solche Gedanken. Ich habe ja schon Höhenangst, wenn ich nach oben schaue. Was ist los mit mir? Steigt mir die Höhenluft zu Kopf oder der Mottengeruch der alten Dame neben mir.

„Wissen Sie, ich habe noch die Winterjacke mit, man weiß ja nie im hohen Waldviertel. Da ist es immer kühler“, hat sie mir erzählt, während ich ihre tonnenschwere Bekleidung in die Hutablage gestopft habe.

Klar, ich verstehe ja alles, für heute sind lediglich 25 Grad und Sonnenschein bei wolkenlosem Himmel angesagt. Kein Problem, damals verreisten die Leute ja auch mit „Zimmer-Kuchl-Kabinett“, werden wir später bei der Burgführung erfahren. Ich hoffe nur, unser Partner-Reisebüro, der für den heutigen Tag verantwortlich ist, hat auch eine Führung in Deutsch, und nicht in Englisch, Französisch, Spanisch, Ungarisch oder Tschechisch bestellt. Leider bringt er manchmal etwas durcheinander.

Wir betreten den einzigen noch bestehenden Turnierhof Europas. Nein, hier ist heute ausnahmsweise keine Hochzeit in dieser romantischen Kulisse, sondern der Ostermarkt. Das eigentliche Ziel unserer Busreise. Ihr könnt ihn noch am Freitag, 07.04., Samstag, 08.04. und am Sonntag, 09.04.2017 besuchen!

„Ach ist das schön hier. Wie im Märchen. Und wenn ich das gewusst hätte, hätte ich Schnuckelchen, meinen Dackel auch mitnehmen können. Hunde sind hier an der Leine willkommen“, schwärmt Miss Mottenkugel neben mir, während sie sich ungefragt bei mir eingehängt hat. „Wissen Sie, der Boden ist uneben, und in der Früh bin ich immer so schwindlig!“

Eine alte Burg bzw. ein altes Schloss ist eben kein Neubau. Wo jetzt der Unterschied liegt, hört ihr bei der Führung. Ich kann mir doch nicht alles merken, so benebelt wie ich von dem Mottenkugelduft bin.

„Wollen Sie in der Schlosstaverne Platz nehmen oder im Burghof?“

Meine Hoffnung steigt, endlich die wunderschöne Anlage alleine erkunden zu können.

„Ach mein Fräulein, das geht schon. Wenn ich mich weiter bei Ihnen einhänge, dann schaffe ich auch die Stufen zur Führung!“

Hilfe, gibt es da kein Schlossgespenst, das auf Mottenkugeln steht? Nun gut, ich bin getreu dem Motto der Pfadfinder erzogen worden. Jeden Tag eine gute Tat! Und wenn ich mich auch noch so anstrenge, mir fällt beim besten Willen nichts ein, das ich heute auf dieses Konto schon verbuchen könnte.

Jedenfalls habe ich aber den Vorteil, dass der Geruch von geräuchertem Fisch, der von einem Stand ausströmt, meine Nase der Mottenkugeln vorläufig entbunden hat.

„Sehen Sie junges Fräulein, so schön hätten Sie als Prinzessin wohnen können!“

Ja, und? Sie kann keine Ruhe geben. 

„Und dann wäre ich schon in der Wiege an einem Mann verheiratet worden um die Besitztümer zu erweitern!“, Groll steigt in mir auf.

„Warum sind Sie denn so negativ? Aber dieser Luxus, einfach nach Dienern zu rufen, sich bedienen zu lassen und im Haus das einzige geheizte Zimmer, eben das Frauenschlafzimmer zu besitzen…“

Ihre Augen glänzen, über ihr Gesicht huscht ein Lächeln. Plötzlich schaut sie Jahre jünger aus.

Nein, das ist nicht meine alte Dame! Geh bitte, was denkt ihr denn? Das sind Osterhasen am Ostermarkt. Wir haben mittlerweile das Schloss und auch die Kapelle, in der geheiratet werden kann und darf, hinter uns gelassen und erkunden den Ostermarkt. Nachdem es auch hier Stufen zu erklimmen gibt, hängt die Mottentante natürlich wieder an meinem Arm.

Neben den Osterhasen gibt es auf Schloss Rosenburg noch viele weitere Veranstaltungen im ganzen Jahr. Infos findet ihr auf unserer Homepage oder direkt auf der Homepage von Schloss Rosenburg. Eigentlich könnte ich die alte Dame fragen, ob sie nicht vielleicht Ende April zur Walpurgisnacht auf die Rosenburg fliegen will.

Ich habe gerade meine düsteren und frechen Gedanken verworfen und lasse mich für die erfolgreiche Bewältigung der alten und ausgeschlagenen Stufen mit einer Köstlichkeit der Schloss Taverne belohnen.

„Ach geh, das war doch eine Kleinigkeit“, höre ich mich sagen, „nicht der Rede wert, doch gerne getan!“ Bin ich das jetzt wirklich?

Die Cremeschnitte ist nur eine der vielen kulinarischen Köstlichkeiten der Taverne. Für Gruppen gibt es z.B. auch jederzeit ein Ritteressen mit Unterhaltung.

Und wer nach dem vielen Essen müde ist, kann sich in eines der Genießerzimmer im Schlossgasthof zurück ziehen. Mit Blick auf das Schloss.

Apropos Schlossgasthof, auch dieses öffnet in einer Woche seine Pforten und lädt mit neuem 2-Hauben-Koch zur Einkehr ein. Stolz ist übrigens Frau Hoyos, Frau Gräfin Hoyos, darauf, dass hier Waldviertler Küche zu vernünftigen Preisen kredenzt wird.

Mein Gespräch mit Frau Hoyos, der sehr sympathischen Chefin des Hauses, in deren Familienbesitz sich Schloss Rosenburg seit 1681 befindet, hat mich von den Mottenkugeln befreit. Kaum zu glauben, dass dieser Prachtbau fast ausschließlich auf privater Basis finanziert wird. Mit Stolz erzählt sie mir von ihren Ideen und Plänen für die Zukunft. Glaubt mir, ein Abstecher zur Rosenburg lohnt sich immer wieder. Mit einer Jahreskarte könnt ihr in der Saison von Anfang April bis Ende Oktober viel erleben.

Ab 1. Mai gibt es auch eine Sonderausstellung zum Thema Esskultur im Mittelalter. Böse Zungen würden jetzt behaupten, hier wäre ich richtig. Aber lassen wir das.

Wenn ihr in der Nähe seid, dann fahrt den Berg rauf, zückt Eure Jahreskarte und setzt euch einfach nur an ein ruhiges Platzerl im Schloss-Areal. Genießt die Sonne, die Ruhe, das Vogelgezwitscher, den Rosenduft und teilt es der Welt mit. Denn mit W-Lan im ganzen Bereich seid ihr immer online.

Und ja, es gibt hier auch Rosen und sogar einen alten Rosengarten, einen Rosenpavillon und heuer steht noch eine besondere Rosen-Taufe bevor. Welche? Schaut vorbei! Eines sei verraten, sie ist rot und hat Dornen.

„Junges Fräulein, da sind Sie ja wieder! Die Flugshow geht gleich los!“, meine Mottenkugeloma hängt wieder an meinem Arm und erklärt mir stolz, dass es hier zwar viele Stufen, aber ein Behinderten-WC gibt. Schön für sie.

Sie hat auch inzwischen ein Whatsapp ihrer Tochter geschickt, denn die wäre gerade auf der Suche nach einer Tagungsstätte und das wäre der ideale Platz. Juhu!

Ich fühle mich beobachtet, oder hat er nur Lust auf Mottenkugeln? Ich hänge meinen Träumen nach, was wollte ich als Kind wirklich werden? Prinzessin war es nicht. Und an den Schmäh mit dem Prinzen am weißen Pferd glaubte ich schon damals nicht. Aber eigentlich, nachdem ich heute die Rosenburg gesehen habe, wäre ich fast bereit meine Pläne nochmals zu überdenken. Auf so einem Schloss wohnen hat schon seinen Reiz.

Die historische Falknerei beginnt. Hier wird noch uralte Tradition gelebt und bitte erspart uns jetzt jegliche Diskussion über dieses Thema. Immerhin ist die Falknerei ein UNESCO Weltkulturerbe und die eigene Zuchtstation sichert den Erhalt der verschiedenen Greifvogelarten.

Und wenn wir jetzt nicht ihre Flugkünste hautnah miterleben dürften, hätten wir am Nachmittag kein Programm für unsere Busgruppe. Über die Köpfe der Zuschauer wird zweimal täglich während den Öffnungszeiten geflogen, an den anderen Tagen für größere Gruppen jederzeit gerne auf Anfrage.

Und da ist er wieder! Mein Mädchentraum! Jetzt habe ich ihn und jetzt weiß ich auch wieder weshalb ich die Narbe an der linken Hand mit Stolz trage! Ja, genau. Ich wollte damals nicht Prinzessin werden sondern Polizist oder Adler! Bei uns wurde noch nicht gegendert ;-) Ja, so war es. Wir spielten unser eigenes `Räuber und Gendarm`. Und ich flog immer allen davon. Gut, manchmal flog ich auch über alles, was da so im Wald lag.

Dem Gesichtsausdruck des Weisskopfseeadlers zu schließen, hat ihm der Falkner gerade einen schlechten Witz erzählt.

Aber umgekehrt war er auch nicht besser. Das Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier ist bewundernswert. Gegenseitiges Vertrauen, Liebe und die Freude an der gemeinsamen Arbeit ist zu spüren.

„Möchten Sie nicht mal Falknerin werden, wenn Sie schon kein Adler geworden sind?“, meine Lady neben mir hält mir einen Prospekt unter die Nase. Auf der Rosenburg gibt es sowohl Falknertage als auch Falknerkurse, Fotoworkshops, eigene Kinder- und Geburtstagsprogramme und ein Falknereimuseum.

Aber einmal so eine elegante Dame der Lüfte zu sein, die Freiheit und die Aussicht genießen, das wäre schon ein Traum. So hoch über den Baumgipfeln, sich mit der Thermik immer höher hinauf schrauben. Aus den Augen der Zuschauer entgleiten und Kreise im stahlblauen Himmel ziehen. Warum bin ich eigentlich kein Adler geworden?

Achso, ja, stimmt. Weil ich ein Feigling bin und gerne die Hände hoch reiße, auch wenn das Gegenüber mir nur Futter anbietet! „Nicht schießen“.

Und so endet meine Karriere als Dame der Lüfte in einem märchenhaften Geier-Sturzflug.

Die alte Dame hängt sich wieder bei mir ein, wir kehren der Rosenburg mit vollen Sackerln, gefüllt mit Köstlichkeiten und Kunsthandwerk der regionalen Aussteller, für heute den Rücken. Wir durften Geschichte spüren und Tradition (er)leben. Hier im schönen Waldviertel, hier auf der Rosenburg.

„Ach Kindchen“, die alte Dame streichelt meine Hand, während draußen die Sonne untergeht, „es war ein so schöner Tag. Danke!“

Interessenten aus dem In- und Ausland für Führungen, Hotelanfragen, Feiern aller Art, Hochzeiten und noch mehr wenden sich direkt an das Team vom Renaissanceschloss Rosenburg, schloss@rosenburg.at, www.rosenburg.at, Tel. +43 (0) 2982/2911

Infos über den Erlebnispark Rosenburg

Bus-parkplatz Einkaufs-möglichkeit Stufen barrierefrei Behinderten-WC Voucher Fremd-sprachen
ja Souvenir, Falknereishop ja Flugshow ja, Schoss nein ja ja englisch, tschechisch, spanisch, französisch

Zur Planung Ihrer Gruppenreise steht Ihnen auch gerne CÄSAR Bus- und Personenbeförderungs Gmbh zur Verfügung, office@bustiger.eu, www.bustiger.eu

 

Ideen zur Tagesgestaltung findet ihr bei unserer individuellen Gruppenreise

 

Besuch von lichtkroko, Samstag, 01.04.2017. Mit freundlicher Fotogenehmigung von Frau Petra Hoyos,

Text: Renate Stigler, Fotos: lichtkroko, www.lichtkroko.eu

Sie möchten auch einen blog-Bericht und 365 Tage lang Werbung für Ihren Tourismusbetrieb? Infos bei Renate Stigler, fotografin@lichtkroko.eu