Fische und andere Tiere rund ums Jahr - Haus des Meeres in Wien

Eigentlich denke ich bei Fisch immer nur an Fisch auf dem Teller, dazu je nach Gusto, Pommes oder Erdäpfelsalat. Vor allem am Heiligen Abend, wenn der alljährlich gebackene Karpfen zur Freude der Familie auf den Tisch kommt.

Schon als Kind hatten wir ein Aquarium zu Hause. Und einen Hasen. Und ein Meerschweinchen. Und sonst noch ein paar so Viecher. Doch schon immer habe ich alles mit Pelz bevorzugt. Wohlgemerkt, Pelz am Tier und nicht als Pelz an mir.

Und so war es bis an jenem Tag gewesen, an dem ich ins Haus des Meeres zum Fotografieren und Blogbericht schreiben eingeladen war.

 

Der rote Linienbus der Öffis hat mich regelrecht ausgespukt, schon fast direkt vor dem ehemaligen Flakturm im 6. Bezirk, gleich in der Nähe der Mariahilfer Straße. Ehe ich weiter auf das imposante Gebäude zu gehe, denke ich scharf nach. Habe ich schon alle Weihnachtsgeschenke?

Auch wenn ich mich noch so sehr anstrenge, mir fällt nichts ein, das ich jetzt dringend besorgen sollte. Immerhin bekommen meine Lieben…

Stop, das gehört jetzt nicht hierher, die lesen ja mit! Und sonst ist es ja keine Überraschung mehr.

Nun gut, ich drehe mich durch die Drehtür. Lustig, so etwas kenne ich in Schönbrunn eigentlich als Ausgang. Sollte ich mich gleich wieder rausdrehen? Denn was soll ich denn hier drinnen? Aber gut, Job ist Job.

Komm Renate, hör auf mit den Blödeleien, schimpfe ich mich selbst. Ich fühle mich wie ein kleines, neugieriges Kind. War ich eigentlich als Kind einmal im Haus des Meeres? Ich glaube kaum.

Die junge Dame an der Kassa schaut mich belustigt an, „kann ich helfen?“

„Äh, ja, also ich habe da einen Fototermin…!“

„Ja, ich weiß schon, im 10. Stock bitte!“

„Gibt es da einen Lift?“, der Angstschweiß auf meiner Stirn ist kaum zu übersehen.

„Na, sicher“, sie lächelt mich an. Wahrscheinlich war ich heute nicht die erste Person mit dieser Frage. Warum denn auch nicht, immerhin stehe ich in einem Gebäude aus dem Jahre 1944. Kaum zu glauben, dass damals 10 Monate Bauzeit ausgereicht haben um dieses Bauwerk fertigzustellen. Es wurde bis Kriegsende als Feuerleitturm genutzt.

Am Dach stand u.a. der sogenannte „Würzburgriese“, ein Radargerät welches bei Fliegerangriffen im Schacht von 3,5 m dicken Stahlbetonwänden geschützt wurde.

Und heute stehe ich da. Mich braucht keine Stahlbetonwand zu schützen, obwohl murmelig ist mir hier oben schon. Immerhin stehe ich auf der Aussichtsplattform im 9. Stock. Dafür ist die Aussicht, trotz des grausigen Herbsttages beeindruckend. Wie schön muss es hier erst sein, wenn die Sonne auf- oder untergeht. Immerhin gibt es einen 360 ° Blick.

Ich wage mich noch zwei Stockwerke höher. Hier befindet sich auch die ocean`sky – Bar, wohl einer der schönsten Eventlocations in Wien. Ein atemberaubender Blick über die Stadt, bis weit hinein ins Umland, bietet sich durch die große Glasfront, oder für ganz mutige Besucher, auch direkt auf der offenen Aussichtsplattform. Hier am Abend, und Donnerstag hat das Haus des Meeres bis 21.00 offen, noch ein Gläschen zum Tagesabschluss trinken. Alleine hierfür lohnt sich der Eintritt schon.

Heute wird es hier noch eine Weihnachtsfeier geben, erfahre ich später. Wow, eine wirklich grandiose Idee. Aber auch Geburtstage oder Jubiläen, oder einfach nur Familientreffen, Geschäftsessen und mehr stelle ich mir toll vor. Wer ohne Tierbesuch einen Drink zu sich nehmen möchte, kann die 192 Stiegen der Turmstiege zu einem günstigen Ticketpreis erklimmen. Sportlich, denke ich bei mir. Nun gut, da nehme ich lieber den Lift.

Die Uhr mahnt mich, mein Termin nähert sich. Und ich wähle die Treppen zum Abstieg von Stock 11 zu Stock 10.

Der Vortragssaal ist, als würde man selbst in einem großen Aquarium sitzen. Durch das Fenster eröffnet sich ein weiterer Blick auf die Stadt, während hinter mir die Haie ihre Runden drehen.

Ich erfahre einige informative Details über das Haus, dessen Geschichte und Zukunftspläne. Übrigens wer mehr über den geschichtsträchtigen Flakturm erfahren will, es gibt hier auch ein Museum mit dem Titel „Erinnern im Innern“ und täglich Führungen. Und alles ist schon im Eintrittspreis inkludiert.
 

Dann schnappe ich meine Kamera und mache mich auf den Weg Impressionen einzufangen.

Haha, fangen ist gut. Fische fangen, Fische grillen…

T`schuldige, ist schon gut, war ja nur ein blöder Scherz. Ich verwerfe mein Teller gedanklich und ziehe weiter.

Was es da alles gibt. Davon habe ich als absoluter Fischlaie überhaupt keine Ahnung. Für mich gibt es Karpfen und Kabeljau, manchmal noch Zander. Aber ich soll heute eines besseren belehrt werden.

Juhu, schau! Nemo gibt es wirklich! Und eigentlich heißt er Clownfisch!

Fein säuberlich sind die Stockwerke beschrieben, eine Orientierung ist leicht und die Idee mit dem Fahrstuhl ganz nach oben zu sausen und sich dann Stock für Stock nach unten zu schrauben wirklich toll. Und alle Tiere sind beschrieben, doch heute fehlt mir Zeit um alle Infos aufzusaugen.

Freundliche Gesellen lächeln mir entgegen. Seit ich den Gedanken mit dem Teller in die Tiefen des Flakturms geschickt habe, scheinen die Meeresbewohner mir gegenüber freundlich gestimmt.

Aber nicht nur Fische tummeln sich hier in den diversen kleinen bis riesengroßen Aquarien. Im Tropenhaus begegne ich verschiedenen Sumpfschildkröten, Äffchen, diversen Vögeln, aber auch Fröschen.

 

Tja, der hält es wohl wie ich. Beim Fressen (nun gut, bitte ich esse! Nur um Verwechslungen jetzt auszuschließen) ist ihm alles wurscht. Nicht einmal die unzähligen Handyfotografen bringen ihn aus der Ruhe. Mahlzeit mein Freund.

Hoppla, das schaukelt! Ich traue mich gerade über die Hängebrücke. Nun gut, zurück muss ich gott-sei-dank nicht mehr.

Mein Weg führt mich weiter zum Krokipark. Na, schau, lichtkroko besucht ihre Freunde! Dieser Teil wurde im Dezember 2007 eröffnet und nach dem langjährigen Direktor des Haus des Meeres, Herrn Emmerich Schlosser, benannt.

Als Besonderheit wurde ein Teil des Bodens im Wasserteil aus Glas gestaltet, sodass Besucher im Eingangsfoyer einen Blick nach oben direkt ins Krokodilbecken werfen können. Mit etwas Glück liegt dort  gerade eine der imposanten Panzerechsen.

Na, die zwei sind aber auch nicht gerade klein. Hallo Freunde. Ich schaue von oben in deren Bereich. Nur nicht die  Kamera fallen lassen. Leider meine Leser, diese Fotos kann ich nicht präsentieren – ihr wisst Familienfotos stelle ich nicht gerne online. Aber ihr könnt die beiden ja 365 Tage im Jahr besuchen und sie von mir schön grüßen lassen.

Neben den Krokis tummeln sich hier noch Fische, Schildkröten, Vögel…

Ob der auf einen Linienbus wartet? Immerhin sind hinter ihm die Bushaltestellen der Linie 13 A, 14 A und 57A. Achja und in der Nähe ist noch die U-3-Station Neubaugasse. Also kein Problem öffentlich hierher zu kommen. Und Parkplatz? Tja, ihr seid im 6. Wiener Gemeindebezirk, Parkpickerlbezirk…

Der Krokipark ist der imposante Glasanbau, den ihr schon auf meinem ersten Foto seht. Und hier leben auch die Lisztäffchen, die immer zu Scherzen aufgelegt sind.

 

Auch wenn die kleinen Racker noch so süß sind, gilt hier, genauso wie im Tropenhaus, füttern und streicheln verboten. Ihr seht, die haben ohnehin ihren eigenen Koch im Haus. Und wem es interessiert, es gibt auch immer wieder Fütterungszeiten diverser Tiere, wo man als Besucher dabei sein kann.

Apropos Koch, ich hätte jetzt auch Hunger und noch mehr Durst. Im 4. Stock gibt es das Cafe Sharky, hier werde mich mal auf Kaffee und Kuchen zurückziehen. Es ist genau vis-a-vis des 300.000 Liter fassenden Haibeckens und irgendwie fühle ich mich beobachtet.
 

Mit einem netten Ausblick auf die umliegende Gegend hatte die Pause gleich doppelt gut getan. Ein netter Rückzugsort. Eine herrliche Idee für z.b. Kindergeburtstage – fällt mir gerade ein, da die Tische dafür gedeckt waren. Liebevoll war es angerichtet, was wohl in der großen Schatztruhe war, die mitten am Tisch stand?

Ich ziehe weiter und werde noch viel entdecken.

Die Zeit ist wie im Flug vergangen und ich habe sicher nicht jedem, der über 10.000 Tiere, meine Beachtung geschenkt. Ich gebe zu, die Lurche, die Vogelspinnen, die Krustenechsen, viele Muscheln und Krebse, die heimischen Süßwasserfische (ja, hier gibt es auch Steckerlfisch…), aber auch einige Nattern und Vipern müssen schon warten, ob ich eines Tages auch bei ihnen stehen bleiben werde.

Nur die grüne Mamba hat sich schon diesmal in mein Blickfeld und somit vor meine Kamera geschlängelt. Ein so schönes, aber auch so blitzschnelles und gefährliches Tier. Nicht umsonst gilt sie als eine der giftigsten Schlangen der Welt.

Streicheln möchte ich sie jetzt nicht wirklich.

Meine Güte ist der süß – wie mich der anlächelt! Zum Knuddeln.

Aber ich befürchte er lächelt nicht mich an, sondern er freut sich einfach nur selbst. Immerhin ist er einer der Bewohner des heute neu eröffneten Atlantik-Tunnels, dem größten Meeresaquarium Österreichs. Der Gang durch die 10 m  lange Acryl-Vollglasröhre vermittelt eine ganz eigene Atmosphäre, fast so, als ob man 20.000 Meilen unter dem Meer wäre. Sowie Professor Pierre Aronnax und sein U-Boot Nautilus aus dem gleichnamigen Roman des französischen Autors Jules Verne.

Draußen legt sich die Sonne schlafen und ich packe langsam meine sieben Sachen zusammen. An der Kassa erstehe ich noch Jahreskarten, eine für mich und eine für meinen Freund.

Wer in Wien wohnt und lebt, den kann ich nur eine Jahreskarte ans Herz legen, denn hier gibt es soviel zu entdecken, und das immerhin 365 Tage im Jahr. Vielleicht noch rasch eine Idee für Weihnachten? Und nicht vergessen, nicht immer müssen die Tiere im Vordergrund stehen, auch ein Feiertagsdrink mit Blick auf Wien ist schon die Karte wert.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Jahreskarte der "Freunde des Haus des Meeres" und die Jahreskarte direkt vom Haus des Meeres – die Damen an der Kassa erklären euch gerne den Unterschied.

Auch am Heiligen Abend ist es hier ein schönes Plätzchen um auf das Christkind zu warten! Vielleicht seht ihr es ja vom 11. Stock, wenn es über die Dächer von Wien fliegt?

Und Fotografenherzen schlagen hier sowieso besonders hoch, sind doch Aquarien und Terrarien eine besondere Herausforderung. Bitte aber ohne Stativ und Blitz. Und das super, tolle Teleobjektiv vom Christkind könnt ihr auch zu Hause lassen.

Ihr seht also, ein Haus für viele Fälle. Aber auf alle Fälle lohnt sich ein Besuch, oder zwei oder drei…

Und Nemo winkt mir hinterher, während ich mich wieder durch die Drehtür drehe…

Besuch von lichtkroko am Donnerstag, 16.12.2016

Text: Renate Stigler

Fotos: lichtkroko, www.lichtkroko.eu

Infos für Gruppenbesuche: CÄSAR Bus- und Personenbeförderungs Gmbh, www.bustiger.eu

Mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung des Vereins der Freunde des Haus des Meeres unter Herrn Karl Kolar – mehr Infos  hier 

Infos zum Haus des Meeres – findet ihr hier