Fadenspiel – Wirtex, die älteste Frottierweberei Österreichs

Bei diesem freundlichen Empfang sind die knapp 1 ½ Stunden Autofahrt ab Wien durch die reinste Nebellandschaft gleich vergessen.

„Mein Mann Rudolf und ich hatten diese Idee“, strahlt Frau Strobl über beide Ohren. Und wenn ich mir sie so ansehe, meine Gesprächspartnerin, dann nehme ich ihr das sonnige Gemüt sofort ab.

Bei einer Führung durch die, seit 1863 am selben Ort befindliche Fottierweberei erlebt man den Weg vom Zwirn zum fertigen Tuch. Für Gruppen gibt es persönliche Führungen in Deutsch, Englisch und auf Wunsch in Tschechisch. Für Niederösterreich-Card-Besitzer steht ein spannender Erlebnisweg während der Öffnungszeiten zur Verfügung. Ins WIRTEX-Kino sind alle Gäste herzlich eingeladen.

„Sicher gibt es schon Maschinen, sprich Webstühle, die vom Computer gesteuert werden“, erzählt Frau Strobl, „aber bei uns wird noch viel Hand angelegt. Wichtig ist für uns, die Erhaltung der Arbeitsplätze in dieser Region. Außerdem wollen wir Qualität liefern, die Kunden im In- und Ausland begeistert und die Erinnerung an längst vergangene Tage, hier auf der einstigen Textilstraße im Waldviertel erhaltet.“

Kaum  zu glauben, dass in den Gründungszeiten die Weberei noch viel Heimarbeit war. Das Schiffchen noch von Hand durch das Fadengewirr geschoben wurde. Niedlich ist der kleine Webstuhl, anhand dessen Kindern die Welt des Frottiers näher gebracht wird.

„Wir möchten in Zukunft kleine Bastelkurse anbieten um zu zeigen, wie Tiere, Püppchen und mehr aus Handtüchern entstehen“, höre ich neben mir.

Wir machen uns auf die Spurensuche, denn so ganz haben sich die Zeiten von damals zu heute nicht verändert. Nun gut, die Maschinen sind etwas größer. Eigentlich viel größer...

Und auch das Schiffchen schwingt sich heute mittels Hydraulik durch, aber die Fäden einspannen ist nach wie vor Handarbeit.

Mensch, das ist ein richtiges Geduldspiel, immerhin müssen die Farben je nach Auftrag und Kundenwusch exakt stimmen. Seht ihr die hellen und dunklen Fäden – nicht immer ist es die gleiche Anzahl, die sich hier aneinander schmiegt.

Apropos Schmiegen. Oder eigentlich kuscheln. Mir fällt die Werbung ein, wo man nicht aufhören kann. Ich auch nicht. Frau Strobl lässt mich gerade verschiedene Materialien testen. Leinen, Baumwolle und Bambou.

Nein, bitte nicht wegnehmen! So kuschelig! Vom Waschhandschuh bis zum Bademantel reicht die Palette. Besonders stolz ist Frau Strobl auf die eigene Erfindung, das sogenannte Wandeltuch – vom Strandkleid zum Badetuch. Aber das bekommt ihr nur bei Wirtex, entweder im anschließenden Fabriksverkauf oder im Online-Shop.

Besonders fasziniert mich, dass hier jedes einzelne Teil auch individuell bestickt werden kann. Ab einem Stück steht damit der persönlichen Note nichts mehr im Wege.

Ob für Perdeliebhaber,

Hello-Kitty-Fans…

Oder raue Seebären…

Unzählige weitere Motive tummeln sich auf den, zu kuscheligen Frottierwaren erzeugten, Fäden.

Ihr habt einen speziellen Wunsch für Eure Liebsten, sucht ein ausgefallenes Geschenk zu einem netten Anlass oder wollt Euch einfach von der breiten Masse beim Thermenurlaub abheben? Knapp 150 Motive sind lagernd und sofort stickbar.

„Wobei es schon mal sein kann, dass ein Motiv bis zu 1 ½ Stunden gestickt wird“, erklärt mir Frau Strobl an der Stickmaschine, „aber auch hier wacht ein Mensch über die Geschicke der Maschine“. Und ohne doppelter Endkontrolle macht sich ohnehin kein Teil auf den Weg zu seinem glücklichen Besitzer.

Und so macht sich auch in einer Woche mein Kuschelbadetuch mit meinem ganz persönlichen Krokodil auf den Weg vom Waldviertel nach Wien. Aber das ist jetzt mein Betriebsgeheimnis.

Apropos Betriebsgeheimnis. Also Geheimnisse sucht man hier vergebens, auch wenn es auf den ersten Blick so wirkt:

Hier lagern aber keine geheimen Zutaten für ausgefallene Rezeptideen. Auch keine Geheimzahlen oder gar Geheimschriften. Ich befinde mich auch nicht im firmeneigenen Safe und ich grabe auch keine Leichen aus dem Keller aus. Ich stehe einfach nur vor den Lochkarten und bringe den Mund nicht mehr zu.

Diese Rollen, die aus steifem Endlospapier bestehen, verstecken auch nicht wirklich ein Geheimnis, sondern verwalten einfach die unterschiedlichen Webmuster.

Wie vor fast 150 Jahren werden diese auf der alten Maschine, die nach wie vor unermüdlich im Einsatz ist, gestanzt und werden uns beim Rundgang einige Male wieder begegnen.

„Früher wurden die Muster mit der Hand gezeichnet, heute machen wir es am Computer. Aber der Ablauf vom Stanzen bis zum fertigen Muster in der Frottierware ist derselbe wie damals.“

Und tatsächlich, da sind sie wieder. Die Lochkarten am Endlospapier.

Mühevoll von Hand werden sie in die großen Webstühle eingespannt, ehe das Herz der Maschine wieder zu schlagen beginnt…

Und auch händisch müssen die Fäden verknüpft werden, wenn sich die Farben ändern…

Unzählige Schritte sind notwendig, bis ich mich endlich in mein Duschtuch wickeln kann.

Angreifen unter Anleitung während der Führung ist hier sogar gewünscht, am Herzen liegt Frau Strobl und ihrem gesamten Team, die Aufrechterhaltung alter Handwerkskunst. Aber noch viel mehr, die Bewusstseinsbildung, wie lange es wirklich dauert, bis wir uns damit abtrocknen können.

Kaum zu glauben, dass aus diesem Fadenspiel ein Produkt wird, das wir täglich benutzen.

„Die Konkurrenz aus den Billiglohnländern macht uns schwer zu schaffen“, sinniert Frau Strobl, „aber wir geben nicht auf. Wir möchten Werte und Arbeitsplätze erhalten.“

Und wer hier einmal einen Einblick gewonnen hat, der versteht die Unterschiede zu schätzen. Und nicht nur, dass sich hier Badetücher tummeln, die bis zu viermal mehr Wasser ansaugen, als die anderen, die auch meinen Kasten noch bis nächste Woche bevölkern. Dann kommt mein Krokodil angeschwommen. Und psst, nicht verraten! Aber für meinen Schatz kommt eine Dampflok mit dem Paket mit. Natürlich gestickt auf eines der kuscheligsten Badetücher, die ich je in der Hand hatte - nämlich dem Bambou. In seiner Lieblingsfarbe – gar nicht so einfach eine schöne Farbe aus der Menge auszusuchen. Mein Favorit ist ja Brombeere. Ein schöneres Geschenk für einen Eisenbahnfanatiker kann eine buslady wohl gar nicht ordern. Oder, was meint ihr?

Süß, oder? Ich habe ja kurzfristig an den Schutzengel für meinen Schatz gedacht. Aber ob da wirklich ein Zweimeter-Mann mit über 100 Kilo reingegangen wäre? Ich habe dann doch das Duschtuch genommen…

Aber eigentlich will ich Euch zeigen, dass hier gerne auch individuelle Bestickungen von Textilien gemacht werden. Egal ob für Babies oder für die Fußballmannschaft. Egal ob Gästehandtücher für Hotels oder T-Shirts für den Polterabend. Egal ob als Weihnachtsgeschenk oder zur Hochzeit – die Liebestäubchen, die mit Datum und Namen versehen werden, sind ein beliebtes Motiv.

Der Phantasie sind hier im hohen Waldviertel keine Grenzen gesetzt. Und auch die Paketdienste kennen die Adresse Frühwärts um von hier aus direkt in alle Welt zu liefern. Und glaubt mir, auch ein Sattelschlepper hat hier eine leichte Zufahrt für den absoluten Großauftrag.

Es wird nicht nur gestickt, es wird auch gedruckt…

„Schon mal überlegt, wieso man manchmal auch Velour-Tuch sagt?“

Ich schüttle den Kopf und Frau Strobl klärt mich geduldig und sehr anschaulich auf. Ihr wollte es auch wissen? Dann besucht doch Wirtex, da seht ihr es dann. Ich bin doch nicht für alles da.

Weiter geht es. Denn neben sticken, drucken gibt es auch noch das Einwebeverfahren. Zurück an den Start meine Lieben, denn der Smiley war eingewebt! Na, jetzt habt ihr aber viel gelernt.

Dennoch gibt es hier noch eine Unmenge mehr zu sehen. Zum Beispiel der Weg des einsamen Fadens, der sich durch das Wolkenmeer schlängelt.

Oder warum nur ich, als einziger Besucher!, an diese Maschine, und auch nur in einem besonderen Moment durfte…

Auch ohne Menschenhand würde es keine Einfassungen geben. Denn hier stehen noch Nähmaschinen, die von den Damen fachkundig bedient werden.

Geht mit auf eine besondere Spurensuche und klärt die Geheimnisse von Schärgatter und Kettbaum. Hier bei Wirtex GmbH, seit 1863 – Frühwärts 62, 3842 Thaya

Für Busgruppen gibt es einen großen Parkplatz, wo der Reisebus genügend Platz hat.

Auch Rollstuhlfahrer und Rollatorbesitzer haben die Möglichkeit den Betrieb zu besichtigen.

Hunde sind herzlich willkommen, aber liebe Besitzer bitte beachtet, dass die Herzen der Webstühle sehr laut schlagen!

Für das Gustieren im hauseigenen Shop sollte genügend Zeit eingeplant werden. Entweder ihr findet gleich, was ihr braucht oder bestellt euch das Lieblingsstück sowie ich. Für Schnäppchenjäger gibt es auch eine Auswahl an zweiten Wahlprodukten. Und für die Herren steht ein kleiner Getränkeautomat zur Verfügung. Oder vielleicht das eine oder andere Bier aus dem Buskühlschrank. Zumindest bei CÄSAR-Bussen.

Ich nehme wieder Abschied. Bedanke mich bei Frau Strobl für die Zeit, die wir miteinander verbracht haben, für die vielen Einblicke in eine Welt, über die ich bis dato nicht einmal nachgedacht habe.

oder auch „alles Gute“ steht auf den karierten Geschirrtüchern. Eine nette Geschenksidee, ein kleines Mitbringsel für die Einladung zur Sommergrillerei. Noch einen Kochlöffel dazu, eine Flasche Wein oder einen großen Hunger…

Oder doch lieber ein Grubentuch, altbewährte Tradition und Webtechnik im modernen Stil? Was das ist, wollt ihr wissen? Im Betrieb oder auch im Onlineshop findet ihr die Antwort.

 

Und nicht vergessen, am 14.02. ist Valentinstag! Wenn ihr schön bitte-bitte sagt, dann kommt der Paketzusteller noch rechtzeitig aus dem hohen Waldviertel zu Euch!

Ihr wollt euch keinen Stress machen? Gut, das verstehe ich. Auch hier gehen die Uhren anders. Hier gibt es noch Klasse statt Riesenmasse, Qualität statt Fusselwirtschaft im Bad, Handwerk statt Computersteuerung. Und Farben weinen auch nicht in der Waschmaschine. Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit sind ebenfalls groß geschrieben.

 

Na, dann denkt auch daran - Mütter haben eine riesen Freude mit der guten alten Zeit! Und der Mai steht vor der Tür!

 

Ich schalte wieder meine Nebelscheinwerfer an, fahre Richtung Wien. Trotz der hartnäckigen Nebelwand habe ich das Gefühl, als wäre meine Welt heute einen Schritt kuscheliger geworden.

 

 

Gruppen aus dem In- und Ausland wenden sich für eine Betriebsführung direkt an Frau Monika Strobl, m.strobl@wirtex.at, 02864/2292-11, Wirtex GmbH, 3842  Frühwärts 62, www.wirtex.at

 

oder an CÄSAR Bus- und Personenbeförderungs Gmbh, office@bustiger.eu, www.bustiger.eu

Busparkplatz Einkaufsmöglichkeit Stufen barrierefrei Behinderten-WC Hunde Voucher
ja eigene Produkte ja ja nein ja ja

Interesse an Frottierwaren für Einzelanfertigungen oder Großaufträge (z.b. Hotels, Spitäler, Küchen,…) ? – Frau Monika Strobl steht gerne für individuelle Bestellungen zur Verfügung.

 

Niederösterreich-Card-Besitzer oder Online-Shop-Fans finden weitere Infos auf der Homepage www.wirtex.at

Ideen zur Tagesgestaltung findet ihr bei unserer individuellen Gruppenreise

 

Besuch von lichtkroko, Donnerstag, 02.02.2017. Mit freundlicher Fotogenehmigung von Frau Monika Strobl. Text: Renate Stigler, Fotos: lichtkroko, www.lichtkroko.eu

 

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