Ein echtes Stück Österreich - Gmundner Keramik

„Gmunden, eine am Nordufer des Traunsees gelegene Stadt im oberösterreichischen Salzkammergut. Schon in der k. u. k. Monarchie galt die auf 425 m Höhe im Traunviertel gelegene Stadt Gmunden als renommierte Sommerfrische. Noch heute gibt es eine Unzahl von Villen. Sag, kannst du dich an die Fernsehserie Schlosshotel Orth erinnern?“

„Hallo Renate, schläfst du beim Autofahren?“, mein Fotopartner kneift mich in den Arm.


„Nein, wie kommst du auf die Idee?“

 

„Weil ich dich etwas gefragt habe.“

„Achso, ob ich das Schlosshotel Orth gesehen habe! Nein, habe ich nicht. Ich sehe dafür den Hauptdarsteller direkt vor uns.“

„Liegt es nicht schön auf der winzigen Insel im Traunsee. Den Adventmarkt würde ich gerne einmal sehen. Eine Schifffahrt muss traumhaft sein. Ein richtiges Hochzeitsschloss. So romantisch!“, die Kamera meines kleinen Romantikers läuft auf Hochtouren.

Meine Gedanken beschäftigen sich gerade mit einer Hochzeitliste. Diese liegt bei der bekannten Manufaktur in Gmunden, der Gmundner Keramik. Seit der Termin fixiert ist, dreht sich mein halbes Leben um das geflammte Keramikgeschirr, das immerhin in fast jedem zweiten österreichischen Haushalt steht. Natürlich bin auch ich damit aufgewachsen. Damals bei meiner Tante. Nach deren Tod haben wir uns alle um das grün-weiße Erbe gestritten, bis leider bei der Wohnungsräumung die Schachtel aus den Händen glitt und wir nur noch einen Haufen Scherben hatten.

Heute werde ich im Manufakturshop stehen. Meine Augen schweifen lassen und mit meinem persönlichen, ersten Gmundner Geschirr nach Hause fahren. Vorsorglich ist der Kofferraum leer geräumt.

Achso, habt ihr jetzt gedacht, dass bei uns ein Hochzeitstermin fixiert ist? Sorry! Nein! Nicht so ein Termin. Sondern der Besuchstermin in der Manufaktur zwecks Erstellung eines neuen Blog-Beitrags.

Neben Kaffee und hausgemachtem Kuchen im Atelier, stilecht auf Geschirr mit dem grünen Hirschen serviert…

… wird das Bemalen mein absoluter Höhepunkt dieses Blog-Auftrages. Schon als Kind war neben dem Schreiben die Malerei meine Leidenschaft. Wie ich mich, als eingefleischte Freundin von Bleistiftzeichnungen, als Künstlerin auf Keramik entfalten werde, kann ich kaum erwarten.

Doch zuvor heißt es einmal sehen, wie alles entsteht. Ein warmherziges „Hallo Frau Stigler“ schlägt mir schon beim Betreten des Eingangbereiches entgegen. Irgendwie habe ich das Gefühl, als wären wir hier schon sehnlichst erwartet.

Zweimal am Tag (10.30 und 13.00) gibt es für Einzelkunden fixe Führungen und so schließen wir uns gleich an. Ein herzliches Willkommen, ein lehrreicher Einführungsfilm und eine, meiner Meinung nach etwas unqualifizierte Meldung eines Gastes: „Geh bitte, was kostet denn da so viel, das ist doch super leicht. Wozu eine Malerin zwei Jahre ausgebildet werden muss, ist unverständlich!“ Ich bekomme gerade noch mit, wie ihn seine Frau in die Rippen boxt.

„Sechzig Handgriffe sind nötig, bis ein Werkstück fertig ist. Besonderen Wert legen wir auf unsere Handarbeit, d.h. Sie werden kein Stück finden, das einem anderen gleicht. Lediglich ein paar Stempel geben der Malerin die Konturen vor, wie etwa bei unserem Hirsch. Ausgemalt wird von Hand. Somit ist jedes Teil ein Unikat“, erklärt Frau Rottenfußer. Ich finde es schön, dass wir eine persönliche Führung bekommen und nicht über irgendein technische Gerät, das mir wie verrückt ins Ohr brüllt oder so leise ist, dass ich nichts verstehe.

„So sollte ein Teller nicht aussehen, denn Fehler können nicht ausgebessert werden!“

Ich schmunzle. Ob der Herr schon umdenkt? So leicht wie er meint, dürfte die Keramikmalerei nicht sein. Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch keine Ahnung, was uns erwartet und weshalb diese Bemerkung, die Frau Rottenfußer sicher gehört haben muss, bis dato höflich übergangen wurde.

Wer will darf ein Stück Ton abschneiden und mit nachhause nehmen. Ich stehe natürlich in erster Reihe. „Einfach Wasser dazu und viel Spaß“, mit einem Lächeln übergibt mir Frau Rottenfußer ein kleines Sackerl mit meinem selbst abgeschnittenen Stück Ton.

Ja, den Spaß werde ich, genauso wie die anderen Damen der Runde, zuhause haben. Dann, wenn wir mit Wasser alles vermischt haben und nach Herzenlust „gatschen“ dürfen. Uj, ich fühle mich wie in meiner Kindheit, als meine Mutter dachte, ich wäre auch fertig zum Brennen.

Weiter geht es zu den Malerinnen. Auf dem Weg dorthin entgehen mir nicht die Kaffeetassen, die hier noch unschuldig und leer auf die weitere Bearbeitung warten.

Jedes einzelne Stück wird handgegossen und danach retuschiert. Also von Hand gesäubert, entgratet und verschwammt. Dafür gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Werkzeugen.

Mittlerweile sind wir beim Herzstück der Manufaktur angekommen, der Malerei. Am liebsten würde ich gleich die Ärmel hochkrempeln, zu Pinsel und Werkstück greifen und loslegen. Wie hat der Mann gemeint, es kann ja nicht so schwer sein und immerhin bringe ich einiges an Bastelerfahrung mit.

„Wie Malen nach Zahlen“, höre ich neben mir. Klar, wer da wieder seine Meinung kundtut.

Eine ruhige Hand ist gefragt, damit der Rand auch gleichmäßig wird. Noch ist der Hirsch grau. Seht ihr? Stimmt, denn erst nach dem Brand wird er seine weltbekannte sattgrüne Farbe zeigen. Übrigens, habt ihr gewusst, dass Bleistiftzeichnungen auf Keramik dem Brand nicht standhalten? Mir sticht es ins Herz. Meine Karriere als die einzige mit Bleistift malende Keramikkünstlerin ist gerade geistig verbrannt.

Mit viel Wasser müssen die Farben verdünnt werden, ehe diese aufgetragen werden. Durch die Handarbeit ergeben sich Farbunebenheiten, welche nach dem Brand deutlich spürbar sind. Wir ertasten die Unterschiede.

Das Malhörnchen, ein kleines Hilfsmittel beim Auftragen der Farbe. Beim Design Selektion darf die Malerin ihr Muster frei entscheiden. Ich merke, wie meine Finger zum Kribbeln beginnen und mein Künstler-Ich schreit: „Ich will!“. Diese zwei Worte gehören jedoch mehr zum Seeschloss Ort.

„Wer möchte denn gerne einmal das Flammen ausprobieren? Es ist das Aufbringen der Farbe mittels Spritztechnik. Früher durch ein Loch an der Spitze eines Kuhhorns. Diese Technik ist einzigartig und wird kein zweites Mal auf dieser Welt verwendet.“ Frau Rottenfußer schaut, ebenso wie ich, fragend in die Runde. Am liebsten würde ich einen gewissen Herrn auffordern. Ehe ich noch frech werden kann, steht besagter Herr mit einem Teller in der Hand an der eigens dafür gebauten Flammstation. Diese Technik gibt es bereits 300 Jahre und genauso lange kennen Österreich und der Rest der Welt das berühmte grüngeflammte Gmundner Geschirr.

Nun gut, sagen wir so, den soeben entstehenden Teller würde nicht einmal ein Mensch mit enorm viel Fantasie erkennen. Ganz sicher bin ich nicht, was er uns damit zeigen möchte. Höflichkeitshalber nehme ich von einem Foto Abstand. Wer weiß, vielleicht ist es ein neues, noch unerkanntes Design?

Auf Bitten seiner Frau, die sich Lachtränen aus den Augen wischt, wird sein moderner Design-Teller gebrannt und zugeschickt. Ich bin die Nächste an der Reihe. Natürlich will ich auch! Er überlässt mir freundlicher Weise die Flammstation mit den Worten: „Vorsicht junges Fräulein. Das ist gar nicht leicht. Beachten Sie das Muster, es müssen sich die sieben Flammen genau ausgehen, ebenso die Blume in der Mitte. Gell, Mädel“, er klopft mir auf die Schulter, „nicht übernehmen und nicht bekleckern. Solch hohe Kunst will gelernt sein“.

Ich denke an meine gute Kinderstube und verschlucke meine freche Antwort. Immerhin hat mein Teller die sieben Flammen und etwas Blumenähnliches in der Mitte. Menschen mit ein wenig Fantasie würden es zumindest als weitschichtige Verwandtschaft der Gmundner Keramik erkennen.

Ätsch, ein Naturtalent eben. Mein Fotopartner vergräbt seine Finger in seiner Kameraschlaufe, ein untrügliches Zeichen, dass er sein Lachen gerade intensiv unterdrückt.

Ich erspare euch die Fotos dieser Farbenschlacht. Vielleicht zeige ich euch mal meinen Teller, der nach dem Brand nach Wien geschickt wird. Wahrscheinlich wollen die ihn in Gmunden nicht. Verstehe ich, weitschichtige Verwandtschaft bringt meistens nur Probleme.

Wenn ich ganz lieb „bitte, bitte“ sage, vielleicht darf ich dann endlich in den Shop? Leider werden solche Keramikfiguren heutzutage nicht mehr gefertigt. Ob der Künstler von Donald Duck damals schon im nahegelegenen Almtal und somit im Wildpark Cumberland war? Ein Relikt einer alten Zeit. Ein Keramiktierchen tummelt sich im Shop noch.

Liebevoll dekoriert mit dem Streublumendekor. Plötzlich höre ich hinter mir eine vertraute Stimme: „Helenchen, such‘ dir etwas aus. Wahnsinn, wie günstig die Teller und Tassen sind, wenn man bedenkt, wie viel Arbeit dahinter steckt. Für Handarbeit kann man heutzutage wirklich kein gutes Geld verlangen. Sechzig Handgriffe! Helenchen, bedenke sechzig Handgriffe, bis so ein Teller fertig ist!“

Am liebsten würde ich der freundlichen Milchkuh seine Worte von vor circa 45 Minuten zuflüstern, aber mein Fotopartner stößt mich gerade mit seinem Einkaufswagen an. Mensch, glaubt der, wir sind mit einem LKW unterwegs? Hallo, ich brauche auch noch Platz. Immerhin nehme ich gleich ein paar Stücke für künftige Fotoaufträge zum Thema Foodfotografie mit. Weiters neue Teller für uns, eine Butterdose und für meinen Schatz eine Sternchenschüssel für seine Knabbersachen. Vielleicht noch eine Vase, da wir anschließend zur Erlebnisgärtnerei Bergmoser, dem größten Produzenten von Schnittblumen fahren? Gar nicht so einfach aus den vielen Designs zu wählen. Jedes Teil gibt es einzeln, somit steht einem Nachkauf nichts im Wege. Sogar wenn ich den Deckel der Butterdose zerstöre, gibt es diesen extra zu kaufen. Nachhaltigkeit auf eine besondere Art und Weise.

Im Manufakturverkauf befindet sich das komplette Sortiment und nachdem es eine lebenslange Nachkaufgarantie gibt, tummeln sich noch viele alte Motive, die mich schon seit Kindertagen begleiten. Für dringende Einkäufe stehen Fachhändler, der Onlineshop, sowie die Brand-Stores in Wien und Salzburg zur Verfügung.

`Dann braucht man auch keinen eigenen LKW`, würde ich am liebsten meinem Fotopartner ans Herz legen, aber ihr wisst ja – meine gute Kinderstube!

Ich weiß nicht wie es euch geht, ich persönlich besitze eine männliche Spülmaschine mit zwei Händen, aber das Geschirr hält auch konventionellen Spülmaschinen Stand.

Mittlerweile haben wir alles in meinem Wagen verstaut und mein Fotopartner wartet schon auf mich. Mein Herz schlägt höher, mein persönlicher Höhepunkt steht an.

Zur Hauptsaison von Juni bis August ist das Atelier täglich geöffnet (Nebensaison ab 5 Personen) und zu einem wirklich sehr günstigen Preis dürft ihr ein Stück nach Wahl bemalen, welches danach gebrannt zu euch geschickt wird. Mein Fotopartner entscheidet sich für ein Herz für seine Frau, welches momentan als Sonderedition angeboten wird. Längst sind seine Zweifel an seinen künstlerischen Fähigkeiten verflogen. Durch das ermutigende Zureden der netten Damen vor Ort, wurde aus dem „bemalen lasse ich aus“ im Auto bei der Anreise eine ruhige, besonnene Pinselführung.

Bei mir geht es hektischer zu. Zuerst war ich schon im Shop von der Auswahl beeindruckt. Dank der ruhigen und geduldigen Art von Frau Lutz, welche unermüdlich diverse Stücke anschleppte und hübsch präsentierte, konnte ich meine Entscheidung zu Ende bringen. Jetzt stehe ich schon wieder vor der Qual der Wahl. Ich rekapituliere: Teller habe ich schon geflammt. Herzerlschüssel brauche ich nicht, da ich eine fertige Sternderlschüsserl für meinen Schatz gekauft habe. Somit bleibt dann noch ein Kaffeehäferl. Was aber malen?

Wir bekommen eine fachkundige Anleitung. Wie wird das heikle Stück angegriffen, ohne danach meine Fingerabdrücke darin zu erkennen. Noch ärger wären die Spuren der Fingernägel, die bei Frauen nun einmal eine gefährliche Waffe sein können und sich somit auch rasch in den heiklen Untergrund nach dem Schrühbrand bohren können.

Vom Nebentisch flucht eine mir bekannte Stimme. Tja, viel Wasser hat es bei den Farben geheißen… Und behutsam die Pinsel führen, denn ausbessern ist nicht drinnen. Doch nicht so einfach!

Ich zügle meine Schadenfreude, denn auch mein `viel Wasser` war noch immer zu wenig. Gar nicht so leicht, die perfekte Mischung zu finden. Mein Gelb fällt zu üppig aus, wobei mein Grün nach dem Brand wahrscheinlich, wie durch einen heftigen Wolkenbruch ausgewaschen, aussehen wird.

Fast eine Stunde und etliche Schimpfwörter später steht es da! Mein persönliches Kaffeehäferl. Ein echtes Unikat mit der Nummer 170 am Boden.  Die Nummer ist wichtig, denn so kann das Häferl nach dem zweiten Brennvorgang den Weg zu mir finden.

Unser Maskottchen Samir wird mich für immer hassen, schaut er etwas abgekämpft aus. Bei der Schrift war die Farbe zu fest und der Pinsel zu dick. Es wird ein Prototyp bleiben und sollte ich mich je entscheiden, solche Häferl für Freunde und Kunden zu produzieren, frage ich nach dem Angebot bei Gmundner Keramik. Hier können fachgerechte Geschenke ab 50 Stück mit eigenem Logo geordert werden. Gerne werden auch Werkstücke nach eigenen Vorlagen z.B. für Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern erstellt. Fragt an!

Mein Fotopartner hat inzwischen auch seine Pinsel ausgewaschen und sein Werkstück zum Brennen abgestellt. In etwa sieben Tagen wird der Postler die heikle Fracht an der Wohnungstür abgeben. Dann werden wir erst sehen, welche Farbspiele wir verbrochen haben. Wir haben erkannt, dass tatsächlich kein Gmundner Geschirrteil dem anderen gleichen kann.

Das Keramik-Atelier haben wir hinter uns gelassen. Den reizenden Damen, die sich liebevoll um uns gekümmert haben, die Hände geschüttelt. Es ist Zeit zum Abschied nehmen. Eine Reisegruppe macht sich auf den Weg zu ihrem Reisebus, der ein paar Meter weiter am großen Parkplatz steht. Auch der Buslenker ist von seiner Hunde-Sitting-Zeit erlöst, denn der kleine süße Racker ist zwar putzig zum Streicheln, in die Manufaktur durfte er nicht. Sonst wäre er vielleicht bei den vielen Farben nicht mehr weiß. Und Scherben bringen hier auch kein Glück.

Es war eine schöne Zeit. Wir haben viel gelernt, viel Spaß gehabt, ausgezeichneten Kuchen genossen und uns im Atelier ausgetobt. Wie gerne hätte ich meiner künstlerischen Ader noch einige Stunden gegönnt, aber wir müssen weiter.

„Nein! Nein! Nein!“, ich werde hektisch. Fast panisch.

Hallo mein Lieber! Dieses Häferl bleibt da! Da kannst noch so lieb zu mir sein!

 

 

Interessenten aus dem In- und Ausland wenden sich direkt an das Team der Gmundner Keramik Manufaktur GmbH, Keramikstraße 24, 4810  Gmunden, office@gmundner.at, www.gmundner.at

Bus-
parkplatz
Einkaufs-
möglichkeit
Stufen barrierefrei Behinderten-WC Gastronomie Hunde Voucher Schulprogramme
ja ja ja nein nein Kaffee und Kuchen nein ja ja

 

 

Ideen zur Tagesgestaltung findet ihr bei unserer individuellen Gruppenreise

 

Zur Planung Ihrer Gruppenreise steht Ihnen auch gerne CÄSAR Bus- und Personenbeförderungs Gmbh zur Verfügung, office@bustiger.eu, www.bustiger.eu

 

Besuch von lichtkroko, Donnerstag, 18.05.2017. Mit freundlicher Fotogenehmigung von allen Beteiligten. Text: Renate Stigler, Fotos: lichtkroko, www.lichtkroko.eu

 

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