Das Krokodil in Brünn

Behutsam lugt er ums Eck. Der schöne, weiße, nagelneue Setra-Bus. Er wartet auf uns. Auf die Teilnehmer der Fachgruppenreise nach Brünn. Der Fachgruppe der Autobus-, Luftfahrt- und Schifffahrtsunternehmungen. Natürlich bin ich auch dabei. Einerseits als Busunternehmerin, anderseits als Berufsfotografin. Eine große Ehre, ich darf unsere Reise bildlich dokumentieren.

Auf dem Programm steht Brünn in der tschechischen Republik. Eine Stadt, die mir keine Fremde ist. Ich kenne sie schon seit meinen Kindertagen. Dennoch stehen heute neue Ideen und Ziele auf dem Programm. Ich bin gespannt.

Als ehemalige Buslenkerin, die selbst zehn Jahre am Lenkrad so eines Gefährt gesessen ist, lässt mich natürlich die Faszination Bus nicht kalt. Mein Busherz schlägt immer noch für die Giganten der Landstraße. Hin und wieder fehlt mir wohl noch die Straße, aber diesmal werde ich die Vorteile eines Passagiers erleben. Aber dazu später.

Dreißig oder noch ein bisschen mehr Jahre trennen unseren modernen, erst vor kurzem vom Band gelaufenen Setra von diesem alten Ikarus, der am Flughafen von Brünn sein Dasein fristet. Tja, ich erinnere mich an die Zeit in Brünn, wo diese Busse noch zum Stadtbild gehörten. Mensch, fühle ich mich jetzt alt.


Nach einem Besuch des Flughafens steht ein Empfang beim Oberbürgermeister in Brünn auf dem Programm. Sein Deutsch ist fast perfekt, seine Ansichten ebenso und mit einem herzlichen „na shledanou“ (auf Wiedersehen) ziehen wir weiter. Dabei lassen wir auch die herrlichen Räumlichkeiten des neuen Rathauses hinter uns. Aber das Weitwinkel hat beste Arbeit geleistet. Eine Erinnerung bringe ich auf der Speicherkarte mit nach Wien.

Eigentlich dachte ich, bei einer Stadtführung kann mir niemand etwas Neues in der, weniger als zwei Stunden von Wien entfernten Stadt zeigen. Wie oft war ich hier? Zuerst als Kind in den Ferien. Tagesreisen ab Wien waren damals groß in Mode. Anlässlich diverser Mehrtagesreisen hatten wir Brünn als Zwischenstation im Programm. Auch für Betriebsausflüge steht die Stadt und die in der Nähe liegenden Macocha-Höhlen gerne am Programm. Oder der Zoo? Mein Gott, wie süß waren letztens die Eisbären! Meine Gedanken schweifen ab, während wir durch verschlungene Gassen lustwandeln. Sie streifen kurz das Janecek-Theater, die St. Peter und Paul-Kirche, den Krautmarkt und bleiben plötzlich stehen. Wie die Gruppe auch. Äh, wo sind wir?

Bitte lasst mich jetzt nicht alleine, schreien alle Alarmglocken in mir. Ich hätte vielleicht nicht meinen Gedanken nachhängen sollen, sondern mich auf die Erklärungen konzentrieren. Schmunzelnd stelle ich fest, dass es doch noch unerkannte Fleckerl in dieser schönen Stadt gibt. Fasziniert erkenne ich immer mehr, wie sich das einstige hässliche Entlein nun zur eleganten Großstadt entwickelt hat.

Der Marktplatz lädt uns zur Einnahme von Vitaminen regelrecht ein. Einige in der Gruppe haben tschechische Kronen mit und die riesigen Zwetschken wandern von Hand zu Hand. Urlecker. Sowie die Kokoswurst hier zur Adventzeit. Dann, wenn sich hier ein Stand an der anderen reiht und die Vorweihnachtszeit kulinarisch und handwerklich verschönert. Ich schwelge in Erinnerung und ziehe den Duft von Orangen und Nelken, gepaart mit einem Schuss Met ein.

 
Weiter führt uns unser Weg zur Villa Löw-Beer. Und zu guter letzt stehen wir verblüfft mit dem weißen Riesen auf einen noch größeren bzw. breiteren Gehsteig vor einem Haus, welches niemand von uns freiwillig je betreten würde. Auch Busunternehmer, die täglich im Dienste der Kunden die besten Locations vermitteln, stehen manchmal ratlos mitten im Weg.

Doch. Wir sind hier richtig. Aha? Alle raus aus dem Bus und ins Haus wieder rein. Tja, hinter den doch recht heruntergekommenen Eingang eröffnet sich eine ganz tolle Welt. Ein wunderschöner, liebevoller Weinkeller lädt uns zum Abschied feiern ein. Ein wahrer Geheimtipp eröffnet sich uns. Der gemütliche Teil fängt an. Und bei der Weinverkostung freue ich mich ein wenig, diesmal nicht das Lenkrad in der Hand halten zu müssen und auch in Wien mich dann von den Öffis kutschieren zu lassen. Es hat alles seine Vor- und Nachteile.

Das Essen schmeckt vorzüglich, der Wein passt sehr gut dazu, die Laune ist ausgelassen. Wir haben wieder einen weiteren Schritt aufeinander zu gemacht. Neue Freundschaften geknüpft, alte vertieft. Wir haben viel gemeinsam erlebt, neue Reiseideen für unsere Kunden im Gepäck und vor allem haben wir wieder einmal bestätigt: wir sind Kollegen, keine Feinde. Und so geht es weiter. Im Busunternehmen CÄSAR/bustiger und bei der Fotografin lichtkroko. Und alle unseren Partnern.

Und während die Sonne sich hinter uns niedersenkt, der Schlafwandler seine Runden beginnt, drehen wir der Stadt den Rücken zu und fahren nach Wien.

Tja, und das Geheimnis des Krokodils, das im Eingang des alten Rathauses hängt, erzähle ich euch dann gerne bei einer Reise nach Brünn. Dann, wenn ich euch ein wenig Lust auf die Stadt machen darf, während wir mit einem unserer Busse sich der Stadt nähern und eine der überaus grandiosen Fremdenführerin auf Euch wartet. Genau dann, werde auch ich mich auf die Spurensuche machen, denn diesmal hieß es einige Mal: den Rest erzähle ich beim nächsten Mal.

Und wann setzen wir gemeinsam die Geschichten fort?

 

Besuch von lichtkroko anläßlich der Fachgruppenreise nach Brünn, Montag, 05.09.2016

Text: Renate Stigler, Fotos: lichtkroko, www.lichtkroko.eu

Infos für Gruppenbesuche: CÄSAR Bus- und Personenbeförderungs Gmbh, www.bustiger.eu