Mendlingtal - Das Gewitter, das genau richtig kommt

Sonntagmorgen. Ein Sonntagmorgen nach einer anstrengenden Woche. Auch Samstagnacht war aus beruflichen Gründen erst Sonntagmorgen beendet. Eigentlich wäre länger schlafen angesagt. Entspannen. Frühstücken. Ausrasten. Kraft tanken.

Nun gut, begonnen hat alles, dass ich munter wurde. Draußen war es noch leicht dämmrig, jedoch standen die Anzeichen auf dem Weg in einen strahlenden Sonnentag. Noch einmal umdrehen. Augen zu.

Verdammt, ging nicht. Wenn ich munter bin, dann bin ich eben munter. Was soll`s? Aufstehen. Kaffee trinken. Computer anwerfen. Die zweite Hälfte noch schlafen lassen. Der Computer war noch nicht hochgefahren, schaut mich ein verschlafenes Gesicht, über dem ein zerzauster Wuschelkopf prangte, an. „Und was machen wir?“

Knapp neunzig Minuten später parkt unser PKW kurz nach der Abfahrt Ybbs und wir stehen an der Theke und bestellen Frühstück.

Die letzten Brösel weggewischt und schon geht es weiter. Unser Ziel ist die Erlebniswelt Mendlingtal, eine der letzten Holztriftanlagen Mitteleuropas.

Die Strecke ab Wieselburg, vorbei an der Kartause Gaming und dann quer durch die Landschaft ist die Anreise von Wien schon wert.

Vom Parkplatz wandern wir gut gelaunt die achthundert Meter zum Eingang der Holzwelt. Irgendwie bleibt mir aber im Kopf hängen, alles was wir jetzt bergab gehen, müssen wir irgendwann hinauf. Nun gut, aber nicht einschüchtern lassen, denn es gibt für Notfälle auch ein Mendlingtal Taxi ab der Jausenstation. Also dann mal drauf los.

Diesmal darf unser Maskottchen, unser Tiger Samir mit. Und er freut sich gleich zu Beginn über eine kleine Stärkung. Dann kann dem Ausflug und der rund 3 km langen Strecke, die noch vor uns liegt, nichts mehr die Laune verderben.

Schautriften erleben wir heute zwar keines, aber im kleinen Museum, nach dem Eingang, wird die Welt der Holzarbeiter sehr anschaulich dargestellt. Fast leiden wir mit den Menschen in den vergangen Tagen und hören das Getöse, während die schweren Baumstämme über die Triftanlage ins Tal donnern.

Samir liebt die kleinen Abwechslungen, die den Weg begleiten.

Über Stock und Stein, Holztreppen, die sehr gepflegt sind, durch enge Stellen und über Steinwege führt uns die Wanderung in herrlicher Naturlandschaft.

Feste Schuhe, ein Getränk und etwas Kondition können nicht schaden.

Rollstuhlfahrer oder Kinderwägen haben hier leider keine Möglichkeit des Weiterkommens.

Am Ende der Strecke erwartet den müden und hungrigen Wanderer eine Jausenstation. Bis hierhin führt auch eine Straße, die auch der Bus bewältigen kann. Somit ist einem gemeinsamen Ausflug auch mit gehschwachen Personen kein Hindernis gesetzt.

Und hier gibt es auch das Mendling Taxi, zurück zum Parkplatz. Aber nachdem wir gut gegessen und getrunken haben, treten wir rundum zufrieden den Rückweg zu Fuß an.

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Nach der Pause geht es für uns wieder retour. In der Zwischenzeit hat sich das Wetter an den morgendlichen Wetterbericht gehalten. Es schaut tatsächlich nach Gewitter aus. Nachdem auch der Besucherstrom schon etwas nachgelassen hat, ist ein relativ rascher Rückzug möglich. Noch einmal lassen wir die unberührte Natur, die Naturgewalten und die herrliche Landschaft auf uns wirken.

Eine Frage bleibt aber unbeantwortet: Wie lange werden wohl Fahrgäste hier auf den nächsten Bus warten müssen…

Auf alle Fälle finde ich, als Busunternehmerin den Gag als gelungen. Oder soll ich mich vielleicht doch um die Ausschreibung bemühen und ein Angebot abgeben? Der jetzige Unternehmer scheint nicht sehr zuverlässig, denn wir sehen weit und breit keinen Bus. Vielleicht haben wir hier eine Marktlücke gefunden? Zum Denken geben mir nur Wege wie diese:

Wir haben das Drehkreuz, das Museum, die venezianische Säge hinter uns gelassen. Vor uns liegt der Anstieg zum achthundert Meter entfernten Parkplatz. Das Ziel ist zwar noch nicht in Sicht, aber schon im Gedanken. Unsere Getränkeflaschen sind fast leer und Samir genervt. Aber das Gewitter wirft seine Schatten voraus und  stülpt eine Sauna über die Welt. Und wir mitten drin. Zwei Wiener, deren Kondition meistens sich auf das Wort "Air-Condition" beschränkt. Aber wir müssen da rauf. Den Teil, den wir anfangs fast runter gelaufen sind. Der Teil, der aus Stufen, steilem Schotterweg, aber auch aus vielen Bankerl, die wir fast alle kennen, besteht.

Endlich geschafft. Ich bin durchschwitzt wie nach einem Marathon, aber glücklich und zufrieden. Es war wunderschön und jede einzelne Anstrengung wert. Und während ich den Motor anlasse, beginnt der Himmel zu weinen. Tja, Touristenservice. Ein Gewitter, das genau richtig kommt.

 

 

Besuch von lichtkroko am Sonntag, 11.09.2016

Text: Renate Stigle, Fotos: lichtkroko, www.lichtkroko.eu

Infos für Gruppenbesuche: CÄSAR Bus- und Personenbeförderungs Gmbh, www.bustiger.eu