Das braune Wasser der Ysperklamm

Genussvoll beiße ich in das mit Wild-Käsewurst belegte Bauernbrot. Vor mir auf der Jausenplatte tummeln sich noch Heukäse, Rindersaftschinken und weitere regionale Köstlichkeiten. Eine gute Idee, Herr Kollege, denke ich bei mir. Hätte er mir nicht vom Käsemarkt in Maria Taferl erzählt, würde ich jetzt wohl nicht so schlemmen können.

Aber fangen wir mit heute Morgen an. Der Tag war grau in grau und mein Bett war so gar nicht der Meinung mich loszulassen.

„Komm schon, fahren wir!“ Meine zweite Hälfte und Grundideen am Vortag sind immer eine besondere Mischung. Stimmt schon, gestern war ein herrlich sonniger Tag und unsere Pläne für morgen, also mittlerweile für Heute, waren zuerst Käsemarkt und dann wandern in der Ysperklamm.

„Aber bitte, schau doch mal! Es ist neblig, grau und nicht sehr einladend überhaupt das Haus zu verlassen“, meckert mein innerer Schweinehund. Und ich trödle herum.

Und er schimpft noch weiter, während ich schon von der Aussichtsplattform vor der Wallfahrtskirche in Maria Taferl, hoch über die Donau, in den noch immer grauen Sonntag blicke.

 

Es ist schweinekalt und der Wetterbericht im Internet hat, mit seinen gefühlten Minusgraden, ausnahmsweise nicht gelogen. Wir suchen Zuflucht in der Kerzengrotte – einmal Händewärmen inklusive. Autsch, nicht verbrennen habe ich gesagt, sondern nur wärmen. Naja, patschert bin ich halt immer irgendwie.

Die regionalen Köstlichkeiten von Wurst, Speck, Käse, Brot, Backwaren, Nudeln, Weinen und Gemüse lassen die Kälte kurzfristig vergessen. Das Wasser im Munde versucht nicht einzufrieren und kommuniziert an die Hände, die die kalten Einkaufstaschen tragen, bis zum Auto durchzuhalten.

Neben altbekannten Produkten tummeln sich z.b. auch Bisonfleischprodukte und eine Reihe an Wildprodukten. Ein Eldorado, leider aber nicht für Vegetarier und Veganer schon gar nicht. Für letztere ist eigentlich nur der Stand mit den fast zehn Sorten Kartoffeln ;-)

Die Kälte kriecht in die dicke Jacke, die Hände drohen abzufrieren und es wird Zeit für einen Rückzug zum wärmenden Auto.

Ein letzter Blick zurück – und tschüss, bis im Sommer! Oder bis doch schon zum Adventmarkt? Eine traumhafte Kulisse ist es hier oben, hoch über dem Nibelungau. Der Adventmarkt verspricht etwas ganz feines zu werden.

„Nachhause“, schreit mein innerer Schweinehund. Doch sein Wunsch erstickt im Gatsch am typischen Wiesen-Parkplatz und knappe dreißig Minuten später stehen wir mit offenem Mund beim Forellenhof am Beginn der Ysperklamm. Wir trauen unseren Augen nicht. Sonne!!!!

Und plötzlich befällt mich eine gewisse Unruhe. Schon bei der Mittagsrast, denn immerhin ist es schon sehr später Mittag, um nicht zu sagen, weit angefangener Nachmittag, verzichte ich auf Suppe und Nachspeise.

„Schnell“, auch mein innerer Schweinehund wirkt hektisch und meine zweite Hälfte wird freundlich, aber bestimmt aufgefordert sein Bier nicht zu genießen, sondern rasch zu leeren. „Bitte!  Sonne!! Rasch ab in die Klamm!! Das traumhafte Fotowetter muss sofort ausgenützt werden!“ Ich hänge dann noch mit einem Dackelblick dazu, „Schatz, bitte. Darfst nachher in Ruhe noch ein Bier trinken!“

Und schwupps stehen wir, die letzten Bisse gerade mal im Hals steckend, schon in der Klamm.

Über Stock und Stein führt der Weg, hohe Steinstufen wechseln sich mit neugestalteten Holzstiegen.

Eine unbeschreibliche Landschaft offenbart sich uns in der immer tiefer sinkenden Sonne. Die letzten Sonnenstrahlen durchbrechen die Baumkronen und kitzeln uns an der Nase.

Das, durch die Huminsäuren, die durch Regen aus dem Boden ausgewaschen werden, braungefärbte Wasser schießt tosend zu Tal.

Langsam wird es wieder kälter und die Finsternis kehrt in die Klamm ein. Wir brechen den Weg ab und wählen den leichten Abstieg. Kein Problem, wir haben genug gesehen und erlebt. Und ich bin meinem Schatz dankbar, dass er heute Morgen nicht nachgegeben hat und mich aus dem Bett gezogen hat. Leise frage ich mich, warum nicht schon früher…

Einen letzten Blick in das sonnige Yspertal erhaschen wir beim Rückweg.

Abermals kehren wir im Forellenhof ein. Doch jetzt hat meinen Schatz die Hektik gepackt, nichts ist mit dem versprochenen, genüsslichen Biergenuss. Nein, rasch ins Auto und ab nachhause. Die Köstlichkeiten aus dem Kofferraum warten von uns probiert zu werden.

Eine atemberaubende Fahrt liegt vor uns. Ein letzter Blick ins sonnige Yspertal. Bis zum nächsten Mal.

Doch der Blick gegen Donau, gegen Ybbs-Persenbeug soll nicht lügen.

Zwei Kehren weiter und wir versinken in der Nebelwand, die uns bis Wien nicht mehr loslassen wird.

Egal ob Kulinarik-, Kultur- oder Wanderreise, hier findet jeder etwas. Fragt uns! Wir haben die Ideen und die Busse. Und wer jetzt Lust und Laune hat, diese Region und ihre Geheimnisse, vielleicht schon zum Adventmarkt, mit seiner Gruppe zu entdecken, schreibt mir rasch ein Mail renate@bustiger.eu. Denn mit meinen fettigen Abend-Brot-Fingern kann ich momentan auf dem neumodischen Handy nicht auf Empfang „wischen“…

Besuch von lichtkroko am Sonntag, 24.10.2016

Text: Renate Stigler, Fotos: lichtkroko, www.lichtkroko.eu

Infos für Gruppenbesuche: CÄSAR Bus- und Personenbeförderungs Gmbh, www.bustiger.eu