Bus, hoppla, Zug fährt ein - Sonderzug zum Advent nach Admont

Eigentlich frage ich mich gerade, was ich hier, als eingefleischte Busliebhaberin, frühmorgens am Bahnsteig zwei in Floridsdorf zu suchen habe.

„Vorsicht, Bahnsteig 2, Sonderbus nach Admont fährt ein!“

Hat die nette Dame bei der Durchsage jetzt wirklich Sonderbus gesagt? Ich zücke die Kamera und kurz darauf höre ich, mit einem leicht schadenfrohen Unterton in der männlichen Stimme einer meiner Reiseteilnehmer, „na, war er wohl zu schnell?“

Ja, ja, schon ok, das erste Foto des Tages ist wohl nicht wirklich gewinnverdächtig.

„Na, ich habe ihn als ganzen Zug bei der Einfahrt!“, frohlockt mein, sonst auch hin und wieder im Bus zu findender, Kunde.

„Schon gut“, murmle ich leicht missmutig. Zum Glück verhallt in dem Stimmengewühl der einsteigenden Gruppe mein nachgeschossener Satz: „Und? Ist ja auch nur ein Zug!“

Ich erbitte mir von meiner zweiten Hälfte, der in seinem Element ist, den Platz in Fahrtrichtung. Auch andere Damen, die anscheinend sowie ich, an diesem Tag lediglich Bodyguard für ihre Männer spielen, müssen in Fahrtrichtung sitzen. Juhu, also bin nicht nur ich alleine kotzverdächtig.

Die Stimmung steigt. Die erste Runde Schnaps wird spendiert. Wir Frauen plaudern über Kochrezepte, Bastelanleitungen und Nagellackfarben, während die Männer in den Eisenbahnträumen der kleinen Jungs eintauchen.

Wie im Flug vergeht die Zeit, wir gleiten durch die Landschaft.

Vor allem nach dem gemeinsamen, warmen Mittagessen im Zug genießen wir Damen die Aussicht auf die, mit Raureif überzogene Landschaft des Gesäuses. Mensch, ist es hier schön.

Unsere Männer riskieren nur selten einen Blick in das Winter-Wonder-Land, viel mehr interessiert sie wie man Schnee auf die Anlage im Wohnzimmer packt.

Für meinen Vorschlag, einfach einen mitzunehmen und darüber zu streuen,  ernte ich nur böse Blicke. Verstehe ich nicht! Ich finde meine Idee grenzgenial und lehne mich zufrieden zurück.

„Wir erreichen in Kürze Admont“, brüllt Hans, unser aller Liebling von der Regiobahn durch unser Abteil. „Ich wünsche euch einen schönen Aufenthalt“

Den werden wir haben, denke ich bei mir und schon starten wir Damen Richtung Adventmarkt. Das Panorama, das uns heute begleiten wird, kann mit Worten nicht beschrieben werden.

Ein schriller Pfiff, ein paar Zurufe und herbe Aufforderungen lassen uns in Windeseile, trotz des sonnigen Tages, zu Eisfiguren erstarren.

Oh nein, wie konnten wir vergessen? War es der Glühmostduft, das Vanillekipferlaroma oder die Gier nach Kunsthandwerk, die uns sofort losrasen ließ?

Brav und artig machen wir kehrt, schon gut, ja, da steht sie ja, in voller Pracht. Schon gut, auch ich zücke die Kamera und mit einem Grinsen im Gesicht werfe ich meinen Herrn vom Bahnsteig in Floridsdorf freundlich entgegen: „Na, bringst den ganzen Zug nicht in die Kamera? Tja, schon gut, ein Weitwinkel zu besitzen! Gell?“

Spaß und Neckerei unter langjährigen Kunden und Freunden darf bei keiner unserer Reisen fehlen.

Meine Güte, wie kleine Kinder sind unsere großen Jungs. He Samir, unser Firmenmaskottchen, unser bitte Bus-Firmen-Maskottchen muss auch unbegint mit aufs Foto. Mein Gott, reicht nicht die grüne Lok alleine?

Endlich waren alle Männer an der Reihe und die Gruppe setzt sich in Bewegung.

Sogar am Weg zum Stift Admont wird über N-Spur, HO-Anlage, LGB und Z-Schienen diskutiert. Hallo Männer, wir Frauen reden ja auch nicht den ganzen Tag über Vanillekipferlrezepte.

Apropos Vanillekipferl, ich stecke mir gerade eines in den Mund. Wurde mir gerade zum Kosten angeboten. Uff, ist das gut. Einkaufen werde ich wohl kurz vor dem Rückzug zum Bahnhof, sonst sind die entweder gar nicht mehr da oder einfach nur Brösel.

Ich muss schon zugeben, dass sich hier eine einmalige Kulisse für einen Adventmarkt bietet. Aber ich habe auch am Parkplatz die Busse nicht übersehen. Ja, es gibt nicht nur Schienen, sondern auch Straßen hierher…

Irgendwie haben wir es geschafft, die Gruppe zu zerreißen. Kein Wunder und auch ganz normal, denn die Interessen sind genauso verschieden, wie die Angebote.

Einige Gäste nutzen die Gelegenheit und besuchen die berühmte Stiftsbibliothek. Nachdem mir leider schon beim letzten Besuch mit einer unserer Gruppen zwar das Fotografieren erlaubt, aber die Veröffentlichung untersagt wurde, nehme ich heute Abstand von einer neuerlichen Besichtigung. Also, wenn ihr Fotos sehen wollt, müsst ihr einfach googeln, ich darf leider keine zeigen.

Aber ich darf Euch den Ausblick, auf die in der Abendsonne glänzenden Berge hier rund um Admont, dem Tor zum Gesäuse zeigen…

Nachdem für mich irgendwie Berg wie Berg aussieht, habe ich natürlich keine Ahnung wie diese sich hier nennen. Nun gut, also, dass diese Spitzen nicht der Kahlenberg sind, weiß auch ich… So ungebildet in der Bergwelt bin ich auch nicht. Also wieder mal googeln angesagt.

Und ich darf euch auch die kleinen, liebevollen Ideen in dieser Region zeigen. Die Verbundenheit der einheimischen Bevölkerung mit dem Gesäuse. So nett wird hier der bodenständige Strudel in einem sehr alten, aber sehr typischen Dorfwirtshaus serviert.

Wir machen uns wieder zurück auf den Weg zum Adventmarkt. Ein wenig Weihnachtsstimmung, jetzt wo die Sonne untergegangen ist, einfangen. Wenn schon kein Stapfen im Schnee, keine frierenden Glieder und kein eisiger Wind, der um die Nase zieht, so wollen wir wenigstens so tun als ob und unsere Finger an einem Häferl Glühmost wärmen. Und den Blick auf die Stiftkirche in uns aufsaugen.

Interessanterweise treffen wir an den Glühweinständen viele bekannte Gesichter. Auch die kulturinteressierten Gäste sind wieder zurück. Die einen aus der Klosterbibliothek, die anderen aus dem Adventkonzert.

Fast jeder Reisegast unserer Gruppe hat auch einen Blick in die einzigartige Stiftskirche geworfen.

Wir prosten uns zu und genießen den wolkenfreien Blick auf den Sternenhimmel.

„Schau, der große Wagen!“ Eine der Damen hat ihn entdeckt und unsere Männer stimmen fast im Chor ein, „jö schau, ein Zug!“

Naja, großer Wagen, kann auch ein großer Bus sein, meine Lieben…

Der Bahnhof hat uns wieder. Die Abfahrt steht kurz bevor. Die Gespräche über Modellbahnen und Wirklichkeit verstummen, aber auch wir Damen ziehen uns zurück und halten zur Freude mancher Männer einmal den Mund.

Sanft gleiten wir durch die Nacht. Schon gemütlich so ein Zug. Nur mir selbst gestehe ich ein, die Art des Reisens gar nicht so schlecht zu finden. Aber wirklich nur mir selbst. Als Bus-Frau soll ich es mit den Begeisterungsschwüngen für Schienengefährte nicht übertreiben.

Wer jetzt Lust auf eine lustige Zugreise bekommen hat – am Samstag, 17.12.2016 gibt es einen Sonderzug zum Advent auf Gut Aiderbichl – sogar mit Buskombi.

Oder bevorzugt ihr den Sonderzug nach Salzburg?

Wie auch immer, wir haben noch Restplätze. Aber nur bei rascher Anmeldung.

Bei CÄSAR-Bus/bustiger finden sich auch während des Jahres interessante Zugfahrten. Schaut doch vorbei. Noch besser, kommt doch einfach mit, wenn es wieder heißt: „Bus, hoppla, Zug fährt ein!“

Die Männer dürfen auch gerne über  Züge plaudern, während wir Frauen Mürbteigrezepte austauschen um daraus kleine Eisenbahnkekse zu backen…

 

Besuch von lichtkroko, 10.12.2016

Text: Renate Stigler, Fotos: lichtkroko, www.lichtkroko.eu

Infos für Gruppenfahrten: CÄSAR Bus- und Personenbeförderungs Gmbh, www.bustiger.eu

Wir danken der immer wieder hervorragenden Zusammenarbeit mit der regiobahn, unter Herrn Hans Narrenhofer.