Burnoutvorsorge mit Lachyoga im Weinviertel - Nonseum

„Sag, hast Du schon gehört, DSDS kommt jetzt zu uns nachhause!“

„DSDS?“

„Ja, Deutschland sucht den Superstar!“

„Und wieso kommen die zu Dir nachhause?“, die Dame hinter mir scheint verwirrt.

„Na, haben die gestern in der Werbung gesagt. Die waren jetzt schon überall, jetzt kommen die nachhause! Weißt Du, was ich da alles vorbereiten muss?“, die Gesprächspartnerin wirkt hektisch.

Die Landschaft zieht am Busfenster vorbei…

… während das Gespräch eine Reihe hinter mir weitergeführt wird. Wir sind mit einer Seniorengruppe durch das schöne Weinviertel unterwegs - auf dem Weg zum Heurigen. Nach der Kultur kommt die Kulinarik.

Kultur? Ja, wir waren im „Nonseum in Herrnbaumgarten, einem Museum, das einen besonderen, aufrichtigen Charakter…“, ich versuche meinen Bericht weiterzuschreiben.

„Wo willst Du denn die Jury hinsetzen? Und die Kandidaten? Deine Wohnung ist so klein!“

Sorry, liebe Leser, ich kann nicht weiter über das Museum schreiben, ich muss zuhören. Ich drücke mich in den bequemen Bussessel, irgendein Männlein in mir streit, ich sollte doch Papier und Kuli fallen lassen und mein Ohr zwischen die Sitze schieben und dem Gespräch lauschen.

„Naja, ich habe mir gedacht im Wohnzimmer. Am Couchtisch könnte die Jury sitzen und dann dort, wo sonst die Schusterpalme steht, der Kandidat“, es scheint, als hätte sich die nette Dame, die meine Oma sein könnte, schon wahrhaftig Gedanken gemacht.

„Oh, und Dieter Bohlen in Deinem Wohnzimmer“, ihre Freundin gerät ins Schwärmen, „also den würde ich nicht von der Bettkante stoßen!“

„Geh Resi, H.P. Baxxter! Der Mann ist ein wahrer Traum. Das Lächeln. Die sexy Figur. Die blauen Augen! Das lässige Flinserl!“

Ich muss schmunzeln. Bitte was haben denn die beiden Damen für Gedanken? Da ich weiß, dass die beiden von ihren Männern im Seniorenheim erwartet werden, frage ich mich gerade etwas erschrocken, ob die gar an einen flotten Dreier denken?

„Ich werde dann einmal in den Greißlerladen gehen und etwas für die Verköstigung kaufen“

„Mhm, machst Du auch wieder Deine berühmten Serviettenknödel?“

Uj, ich sollte wirklich nicht lauschen, jetzt läuft mir gerade das Wasser im Munde zusammen. So richtig gute Serviettenknödel kann die alte Dame ganz bestimmt. Da wäre ich auch gerne eingeladen.

„Ich weiß nicht“, sie wirkt nachdenklich, „ob die auch tatsächlich die Jury beeindrucken?“

„Aber sage einmal“, ihre Freundin unterbricht die Kochplänegedanken, „hast Du Dir schon überlegt was passiert, wenn da auch Ausländer kommen, die nicht Deutsch sprechen?“

„Sicher“, die Oma scheint wirklich alles gut durchdacht zu haben, „ich habe mich schon für einen Auffrischungskurs angemeldet. Du weißt ja als Navratil… Und wenn nicht anders, hole ich mir den Führer vom Museum, der hat gesagt, sie können die Führungen in Englisch, Französisch und Spanisch.“

Ich könnte laut lachen. Hier sieht man wirklich, wie Fernsehwerbung wirkt. Ich kenne DSDS, ja, es stimmt, die kommen nachhause. Aber nur nach Deutschland, nach den letzten Auslandsshows. Und die Damen hinter mir glauben echt, die kommen zu ihnen ins Wohnzimmer.

„Hast Du auch an die Kinder der Kandidaten gedacht?“

„Kinder kann man mit Süßigkeiten ruhig stellen. Denke an unsere Kinder, da war es auch so.“

Plötzlich fällt mir Essen auf Rädern für Kinder ein. Meine Phantasie geht mit mir schon wieder durch.

„Aber Kaffee musst Du auch genug einkaufen, meine Liebe. Was glaubst Du, solche Castings dauern Stunden. Hat mir meine Enkelin erzählt. Die war auch dabei. Aber sie ist leider gleich in der ersten Runde ausgeschieden.“

„Aber sage einmal, was machst Du, wenn Dich H.P. zu einem Tanz auffordert? Mit Deinem angehenden Alzheimerleiden vergisst Du doch dauernd die Schrittfolge!“

„Geh, Resi, stell Dich nicht so an. Heutzutage gibt es für alles eine Lösung und ein Hilfsmittel. Glaubst, nur die Männer sind von der Industrie bedacht? Da schau!“ Sie kramt in ihrer Handtasche.

Meine Neugierde muss gebändigt werden. Was hat die Dame für Hilfsmittel? Gibt es rosa Pillen für die Damen, die sie wieder jung werden lassen? Ich spechtle zwischen den Sitzen durch.

 

Das Lachen ist nur schwer zu halten, wobei der Welt-Lach-Tag erst am 07. Mai ist. Zu süß ist die Idee.

Wenn ich an die Anreise nach Herrnbaumgarten vor ein paar Stunden denke! Leise war es im Bus. Grantige Gesichter steckten mich mit schlechter Laune an. Kein Wunder, es regnete in Strömen. Kein perfekter Start für einen schönen Ausflug. Die Betreuerinnen hatten alle Hände voll zu tun, die betagten Damen und eine kleine Handvoll Herren aus dem Haus in den Bus zu bekommen. Lustlos waren sie alle. Etliche hatten überhaupt abgesagt. Es war kein einfacher Wandertag für Pessimisten, den es in Herrnbaumgarten gibt, sondern ein Ausflugstag für Wiener Grantler.

Während der Fahrt wurde das Wetter immer schlechter. Bei der Ankunft in Herrnbaumgarten waren nur die bunten Regenschirme der einzige Lichtblick. Uj, wenn ich an die hässlichen Worte denke, die Herrn Fritz Gall, dem Betreiber des kleinen Museums entgegenschlugen. Leicht hatte er es nicht, die Erfindungen, die wir nicht brauchen, an die Damen zu bringen. Die Herren waren überhaupt gleich in die Vinothek abgebogen und deren Lichtblick an diesem Tag war im Weinregal zu finden. Das, im Preis inkludierte Kostgläschen war nicht das Ende, sondern der Beginn.

Lediglich Fans der Nö-Card werden gebeten ohne Reisegruppe anzureisen und überzeugte Antialkoholiker zu sein. Gegen das entsprechende Kleingeld steht aber einer Schnelleinführung in die Welt des Alkohols nichts im Wege.

Für unermüdlich Wissens-Durstige in Sachen Weiß oder Rot bietet sich nach dem Museumsbesuch noch ein Blick ins Keller-Wein-Labyrinth von Friedl Umschaid. Hier wird auch das letzte Trauben-Geheimnis ins rechte Licht geholt. Empfehlenswert ist übrigens auch der alljährliche Erdball.

Einige Damen interessierten sich für das angeschlossene Greißlermuseum, andere tauschten im liebevoll gestalteten Küchenmuseum alte Rezepte und Erinnerungen aus.

Herr Gall gab sein Bestes und langsam zauberte sich überall ein Lächeln ins finstere Gesicht. Plötzlich wirkte die Gruppe jugendlicher und die bezaubernden, teilweise sinnlosen Gegenstände, die Erfindungen, die wirklich niemanden nützen, erhellten den trüben Tag.

Ich war glücklich. Und nebenbei auch alle Betreuerinnen. Auch die letzten Damen nahmen ein Schauferl vom staubtrockenen Humor.

Wir haben gleich den Heurigen erreicht, auch die Damen hinter mir nehmen den Hut und packen den Regenschirm ein, denn inzwischen haben sich auch die düsteren Wolken verzogen.

Die Pläne für Dieter Bohlen, H.P. Baxxter und die DSDS-Crew blieben plötzlich genauso über, wie ein einsamer Socken, der in Herrnbaumgarten seine letzte Heimat gefunden hat. Weitere Socken werden in der Runde jederzeit gerne aufgenommen und freuen sich auf den alljährlichen Sockenwandertag.

Der Bus hält direkt vor der Heurigentür. Einem gemütlichen Ausklang des Nachmittagausfluges steht nichts mehr im Wege. Rückblickend war die Fahrt nach

ins Nonseum die beste Idee für diesen traurig-trüben-Tag. Die Kunst des Scheiterns mit einem Augenzwinkern begegnen, eine Auszeit aus dem Alltag, ein Lächeln ins Gesicht zaubern, all das gibt es im Nonseum. Und die Phantasie wird unendlich angeregt. Und mit einer Eintrittskarte gibt es einen Blick ins Nonseum, die Greißlerei, das Küchenmuseum und ein Kostglas in der Vinothek.

Danach kommt dann schon einmal der Traummann mitten ins Wohnzimmer.

Mit den Damen ist es netter Plausch am Heurigentisch. DSDS ist längst vergessen, niemand denkt mehr an Bohlen oder Baxxter. Alle überlegen lieber Schmalzbrot oder Bratlfettn, Rot- oder Weißwein.

Die letzten Fluchtachterl werden gekippt…

Und während unser Busfahrer, der einzige nüchterne Mensch an diesem Nachmittag im Bus, auf die Verkehrszeichen achtet,

gibt es für die Betreuerinnen ein Abschiedsbusserl als Danke für einen gelungenen Ausflug.

Eigentlich sollte ich den Artikel über das Museum und die unzähligen Veranstaltungen weiterschreiben, doch der Weinviertler Wein hat auch bei mir Spuren hinterlassen.

Dennoch bin ich Euch noch die Fortsetzung des Anfangs schuldig.

Ja, wir waren im Nonseum in Herrnbaumgarten, einem Museum, das einen besonderen, aufrichtigen Charakter hat: Es nützt wirklich niemanden, das aber gewissenhaft und mit aller Liebe.

Obwohl so sicher bin ich mir, wenn ich die glücklichen Gesichter sehe, nicht wirklich. Aber wisst ihr was, probiert es doch einfach selbst aus! Stellt selbst fest, ob es nützt oder nicht. Kommt vorbei, zuerst auf der Homepage und dann in Herrnbaumgarten.

Ihr könnt bei einer der vielen Veranstaltungen vorbeischauen, Mutter und Oma zum Muttertag einladen, Familienfeste feiern, mit eurem einzelnen Socken am Wandertag mit marschieren oder einfach die Burnoutvorsorge mit Lachyoga absolvieren. Und wenn ihr verrückte Ideen habt, sagt sie Herrn Gall, es wird ständig nach Neuem gesucht.

 

Ich ziehe mich nach den vielen Fluchtachterln auch zurück und überlege, ob ich eher Bohlen oder Baxxter bei mir aufnehmen werde.

 

 

Interessenten aus dem In- und Ausland wenden sich direkt an Herrn Fritz Gall, Verein zur Verwertung von Gedankenüberschüssen, 2171 Herrnbaumgarten, Friedhofstraße 2a, 02555/2737, 0650/66 67 076, info@nonseum.at, www.nonseum.at

Hier geht es zu den Veranstaltungen 2017

 

Zur Planung Ihrer Gruppenreise - CÄSAR Bus- und Personenbeförderungs Gmbh, office@bustiger.eu, www.bustiger.eu


Ideen zur Tagesgestaltung findet ihr bei unserer individuellen Gruppenreise

 

Bus-parkplatz Einkaufs-möglichkeit Stufen barrierefrei Behinderten-WC Hunde Voucher Fremd-sprachen
ja Souvenirs, Wein im Nonseum nein, im Küchenmuseum ja teilweise nein, aber 50 m weiter im Gasthof ja ja englisch, spanisch, französisch, tschechisch

 

Besuch von lichtkroko, Montag, 27.02.2017. Mit freundlicher Fotogenehmigung von Herrn Fritz Gall.

Text: Renate Stigler, Fotos: lichtkroko, www.lichtkroko.eu

 

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